Generic filters
FS Logoi

Gutachten der Fraunhofer IEG: Leerlauf ist gefährlich für die Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes

Wie robust ist die Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes? Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimapolitik hatte die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG, das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, ConGas und Consentec mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, um die Frage zu beantworten.

von | 08.03.24

© iStock.com/Aranga87 Grüne Wasserstoffproduktionsanlage mit Wasserstoffspeichern und Wasserstoffpipelines

8. März 2024 | Wasserstoff wird in der Dekarbonisierung Deutschlands eine wichtige Rolle spielen, so der Konsens in nahezu allen wissenschaftlichen Untersuchungen. Doch noch sind die Details von Angebot, Nachfrage und Transport nicht absehbar. Die Bundesregierung adressiert das mehrfache Henne-Ei-Problem mit der angestrebten Schaffung eines Wasserstoff-Kernnetzes, welches Industrie und Kraftwerksbetreibern Planungssicherheit beim Netzanschluss geben soll.

Den Entwurf des verbindlichen Rahmens für die Entwicklung dieser nationalen Wasserstoffinfrastruktur hatte die Bundesregierung vorgelegt. Das betreffende Energiewirtschaftsgesetz sieht unter anderem dazu ein Gutachten vor, welches die Tragfähigkeit des geplanten Finanzierungsmodells für das Wasserstoffkernnetz untersuchen soll. Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG, das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, ConGas Consulting und Consentec GmbH mit der Erstellung dieses Gutachten beauftragt, das nun veröffentlicht wurde.

Das vorgesehene Finanzierungskonzept ist privatwirtschaftlich angelegt. In den ersten Jahren wird die Differenz zwischen anfangs hohen Kosten des Netzaufbaus und noch geringen Netzentgelterlösen durch wenige Netznutzer auf einem sogenannten Amortisationskonto fortgeschrieben. Der Bund sichert das Amortisationskonto ab. In den späteren Jahren, wenn eine ausreichende Anzahl von Netznutzern angeschlossen ist und die Einnahmen aus den Entgelten die Kosten für den weiteren Netzaufbau und -betrieb übersteigen, wird das Amortisationskonto sukzessive bis spätestens 2055 ausgeglichen. Die Netznutzenden tragen also neben den regulären Kosten des Netzes auch die langfristige Tilgung des Amortisationskontos.

Im Gutachten hat das Autorenteam unterschiedliche Szenarien entwickelt und deren Finanzierung durchgerechnet. Stets unter der Fragestellung, welche finanziellen Risiken für Bund und Kernnetzbetreiber entstehen und ob die resultierenden Netzentgelte marktfähig sind, also von den Netzkunden privatwirtschaftlich getragen werden können. Das Gutachten kommt unter anderem zu dem Schluss, dass das Wasserstoffnetz in der frühen Phase des Aufbaus in allen Finanzierungsmodellen auf staatliche Förderung angewiesen sein wird. Des Weiteren zeigt das Gutachten, dass eine zu geringe Auslastung des Netzes bei einer zu frühen Errichtung das Finanzierungsmodell vor große Herausforderungen stellt. “Diese Gefahr ist leider sehr real”, warnt Dr. Benjamin Pfluger vom Fraunhofer IEG, der Leiter des Gutachtens. “Die neue Kraftwerksstrategie sieht vor, dass die H2-ready-Kraftwerke erst zwischen 2035 und 2040 auf Wasserstoff umstellen. Den anfänglichen Leerlauf des Netzes müssen alle Netzkunden dann lange abbezahlen, was ohne Förderung nicht zu stemmen sein dürfte. Durch eine bedarfsorientierte zeitliche Verschiebung von Baumaßnahmen könnte und sollte solch teurer Leerlauf aber reduziert werden”.

 

 

(Quelle: Fraunhofer IEG/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer das neuste in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Gebäudemodernisierungsgesetz: Pragmatismus für Wärmewende
Gebäudemodernisierungsgesetz: Pragmatismus für Wärmewende

Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) kann aus Sicht des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft den Weg für den Einsatz grüner Gase wie Biomethan oder Wasserstoff in der Wärmewende ebnen. Anlässlich der aktuellen Kabinettsbefassung stellte der Verband klar, dass es gerade im Gebäudebestand in Verbindung mit Biomethan und neuen Technologien wie der Hybridheizung zusätzliche Handlungsoptionen eröffnet. Wie Grüngasquote und Bio-Treppe in der Praxis zusammenspielen sollen, bleibt allerdings bislang unklar.

mehr lesen
Wasserstoff: EWE vergibt Großauftrag an Bilfinger
Wasserstoff: EWE vergibt Großauftrag an Bilfinger

EWE treibt den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft weiter voran: Für die 320-Megawatt-Wasserstoff-Erzeugungsanlage in Emden hat das Unternehmen den Industriedienstleister Bilfinger mit Stahlbau, Rohrleitungs- sowie Komponentenmontage beauftragt. Der Auftrag zählt zu den größten im Gesamtprojekt „Clean Hydrogen Coastline“ und ist nach der Beauftragung für Elektrolyse, Verdichter und Bauleistungen das letzte wesentliche Vergabepaket.

mehr lesen
Elektrolyse-Testanlage von Sunfire für BASF
Elektrolyse-Testanlage von Sunfire für BASF

Der Industriepark Lausitz in Schwarzheide setzt seinen Wachstumskurs fort und gewinnt mit Sunfire einen weiteren innovationsstarken Partner. Das Dresdner Wasserstoff-Unternehmen wird im Industriepark eine Testanlage zur weiteren Validierung seiner Hochtemperatur-Elektrolyse-Technologie (SOEC) errichten. Die Inbetriebnahme ist für Ende dieses Jahres geplant. Ziel ist es, weitere Praxiserfahrungen für den Einsatz in industriellen Großprojekten zu gewinnen.

mehr lesen
Fokus Gasnetze & Gasspeicher
Fokus Gasnetze & Gasspeicher

Passend zum Schwerpunktthema “Gasnetze & Gasspeicher” der gwf Gas + Energie, Ausgabe 5/26, präsentieren Unternehmen in einem Sonderteil neue Entwicklungen, praktische Lösungen und aktuelle Techniken anhand von Kurzbeiträgen.

mehr lesen
Stapel Probeabo Gas

Sie möchten unser Magazin testen?

Bestellen Sie das kostenlose Probeheft!

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Gas + Energie kostenlos und unverbindlich zur Probe!