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24. Tagung Leitungsbau in Berlin: Chancen der Digitalisierung nutzen

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Autor: Redaktion

24. Tagung Leitungsbau in Berlin: Chancen der Digitalisierung nutzen

„Es wird Zeit, sich mit der Begrifflichkeit, den Chancen, Risiken und auch der Zweckmäßigkeit der Digitalisierung zu befassen“, so rbv-Präsident Dipl.-Ing. (FH) Fritz Eckard Lang in seiner Eröffnungsrede vor rund 150 Teilnehmern aus den Reihen der Leitungsbauunternehmen. Arbeitsabläufe und Informationswege werden sich laut Lang verändern. Alle Bereiche der Wertschöpfungskette wie Planung, Ausschreibung und bauliche Umsetzung werde die Digitalisierung neu ausrichten. Der rbv- Präsident wies daraufhin, dass dadurch der Effizienz-Druck auf die Bau- unternehmen steigen wird.
Was auf die Leitungsbauer zukommt, davon bekamen sie in den Vorträgen der Referenten aus den unterschiedlichsten Bereichen einen Vorgeschmack: Wie verändern sich die Strukturen von Versorgern und Netzdienstleistern durch die Digitalisierung? Wie sieht die Zukunft der digitalen Netzdienstleister aus, und welche Bedeutung wird das sogenannte Building Information Modeling (BIM, Gebäudedatenmodellierung) für den analogen Leitungsbau haben? Aber auch die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Arbeitswelt und das Arbeitsrecht sowie auf die Unternehmenskultur wurden beleuchtet. Dass es einer Bündelung der Kräfte bedarf, zeigt sich daran, dass die Leitungsbaubranche nicht im gewünschten Maß an der positiven Gesamtentwicklung der deutschen Baubranche im zurückliegenden Jahr hat partizipieren können.
Umso mehr gelte es nun, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Dass dies jedoch noch nicht in allen Köpfen angekommen ist, machte Dipl.­Oec. Heinrich Weitz vom HDB deutlich: „Wenn man sich den Bau anschaut, könnte man auch sagen: Digitale Welt trifft analoges Denken.“ Vor diesem Hintergrund sei für das Gelingen der digitalen Transformation auch im Leitungsbau nicht etwa Software zur Abbildung geeigneter Prozesse entscheidend, sondern der „Faktor Mensch“.
Laut rbv­Hauptgeschäftsführer Dipl.­Wirtsch.­Ing. Dieter Hesselmann müsse sich ein Umdenken vollziehen. Die Digitalisierung dürfe nicht als Bedrohung und Bits und Bites nicht als unnütze Konkurrenten ausgedruckter A0­Baupläne aufgefasst werden, sondern als Wegbereiter für einen reibungslosen Bauablauf – von der Planung über die Ausführung bis hin zur effizienten Bewirtschaftung des fertigen Objektes.
BIM wird im Leitungsbau Einzug halten
Heinrich Weitz machte sich dafür stark, die Digitalisierung voranzutreiben und hierbei das Building Information Modeling zu nutzen, da es verbindliche Grundlagen für die Zusammenarbeit über alle Phasen und Gewerke hinweg schaffe. BIM verfolgt die Idee, dass sämtliche Prozesse entlang der Wertschöpfungskette per Datenaustausch untereinander verbunden werden und alle am Bau Beteiligten elektronisch miteinander kommunizieren. Alle relevanten Daten würden dabei digital modelliert, kombiniert und erfasst. Aus dem bisherigen Nacheinander von Architektur, Tragwerksplanung und technischer Gebäudeausrüstung während der Planung wird ein paralleles und damit zeitsparendes Vorgehen. Jedes Bauwerk wird damit zukünftig zwei Mal entstehen: zunächst digital und dann tatsächlich. Prof. Dipl.­ Ing. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e. V. ist sich sicher: „BIM birgt ein enormes Potenzial in der Wertschöpfung.“ Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass „BIM zunächst einmal in der Implementierungsphase Geld kostet“, sich aber in der Anwendung rentiere. Der wirtschaftliche Erfolg werde sich zunächst einmal bei großen Bauprojekten erweisen. Im Zuge der Digitalisierung des Baus werde laut Wegener aber auch der Leitungsbau eingebunden werden. Nicht zuletzt, da Auftraggeber zunehmend Druck auf den Leitungsbau ausüben würden, der Bestandteil großer Projekte sei.
Bau muss am Image arbeiten
Allerdings sind zur Nutzung des Building Information Modelings der Aufbau von Know­how und die Schulung von Fachkräften in den Unternehmen notwendig. Damit kam ein sensibler Punkt zur Sprache: der ohnehin schon herrschende Fachkräftemangel, der nach Überzeugung der Experten in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen wird.
Mayer, Obmann des Gemeinschaftsausschusses Facharbeiter und Meister des DVGW, rbv, des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) und des Energieeffizienzverbandes für Wärme, Kälte und KWK e. V. (AGFW) für Bildungsfragen, lenkte in seinem Vortrag das Augenmerk auf die Vertrautheit der Jugend mit der Digitalisierung. Heutige angehende Azubis sind bereits in einer digitalen Welt aufgewachsen. Und das, was sie an Hightech im Privaten erlebt haben, würden sie auch im Beruf erwarten.
Störungsmeldungen effektiv digital bearbeiten
Ein Beispiel, wie stark die Digitalisierung Bauunternehmen betreffen kann, ist die Leonhard Weiss GmbH & Co. KG aus Göppingen. Es zeigt, wie sich ein Unternehmen die Digitalisierung zunutze machen kann und davon profitiert: Als Dienstleister für Versorgungsunternehmen wickelt Leonhard Weiss im Rahmen des Störungsmanagements sämtliche Prozesse von der Störmeldung über die Auftragsvergabe bis zur Abnahme elektronisch ab. Von den insgesamt rund 9.500 Störungsmeldungen pro Jahr werden bei Leonard Weiss rund 6.000 auf digitalem Weg über eine B2B­Schnittstelle bearbeitet – und das von drei Mitarbeitern, während für die analoge Bearbeitung der verbleibenden rund 3.500 Störungsmeldungen sieben Beschäftigte notwendig sind.
Menschen auf die digitale Reise mitnehmen
Wichtig ist es, so die Überzeugung der Tagungsteilnehmer, die Menschen auf die digitale Reise mitzunehmen. Dabei gelte es, rechtliche Aspekte zu beachten, so Georg Helbig, Rechtsassessor im HDB, der die digitale Welt auf den arbeitsrechtlichen Prüfstand stellte; insbesondere, was es für Arbeitgeber bedeutet, wenn ihre Beschäftigten über moderne Kommunikationsmittel ständig erreichbar sind. Dies mache es sowohl für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer zunehmend schwieriger, darauf zu achten, dass Höchstarbeitszeiten nicht überschritten und Mindestruhezeiten eingehalten werden.
Datenschutzrechtliche Fallstricke könne die von Unternehmen geübte Praxis mit sich bringen, den Mitarbeitern nahezulegen, ihre privaten Smartphones auch dienstlich zu nutzen. Wie lassen sich dabei dienstliche und private Daten sauber voneinander trennen? Wo fängt bei einer Überprüfung der GPS­ oder Nutzungsdaten ein unzulässiger Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Beschäftigten an? Hier gilt: Im Zweifelsfall den (Rechts­)Experten fragen.
Plädoyer für das Erdgas
Die Entwicklung des Gasmarktes vor dem Hintergrund der Energiewende beleuchtete der Vorstandsvorsitzende des DVGW Prof. Dr. rer. nat. Gerald Linke. Die von der Bundesregierung angestrebte Dekarbonisierung, also die Umstellung der Energiewirtschaft in Richtung eines niedrigen Umsatzes von Kohlenstoff, würde seiner Überzeugung nach nicht weniger als das Aus für Erdgas als fossilem Energieträger bedeuten. Für die Leitungsbauer wiederum bedeute dies, in Zukunft keine Gasleitung mehr bauen zu dürfen. Er sieht gar die Energiewende in Gefahr, die teurer werde als prognostiziert. Das Dilemma der Gaswirtschaft sei die Kategorisierung in erneuerbare und nicht erneuerbare Energie. Besser sei es, von sauberen Energieträgern zu sprechen, zu denen Gas zweifelsfrei gehöre.
Stefan Kapferer sieht die Diskussion über die Energieversorgung der Zukunft in eine falsche Richtung laufen. Der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie­ und Wasserwirtschaft e. V. plädierte für eine differenzierte Betrachtung: Sowohl die Strom­ als auch die Gasnutzung habe vor dem Hintergrund der Energie­ wende ihre Berechtigung: „Im Mobilitätssektor sehen wir mehr die Stromnutzung, aber im Wärmesektor setzen die Investoren auch weiterhin auf Gas.“ Die Gasinfrastruktur werde weiterhin gebraucht – nicht zuletzt unter geostrategischen Gesichtspunkten.
Vorteile der Digitalisierung erkannt
Was den Appell an die Einigkeit anbetraf, befand er sich auf einer Linie mit dem rbv­Präsidenten Eckard Lang, der ebenfalls die Bündelung aller Kräfte zur Bewältigung der Herausforderungen gefordert hatte. Die Digitalisierung der Baubranche ist nur eine davon, wenn auch eine gewichtige. Und die zitierte Telekom­Studie ist nicht die erste Warnung an die Branche: Auch die Unternehmensberatung Roland Berger hatte im Sommer 2016 bereits angemahnt, dass Baufirmen in Deutschland ohne konsequente Digitalisierung ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel setzen würden. Zu Gute könne man den Unternehmen der Bauwirtschaft halten, dass sie die Vorteile der Digitalisierung erkannt haben; an einer stringenten Digitalisierungsstrategie fehle es aber häufig. Hier gibt es deutlichen Aufholbedarf, denn sonst drohe vor allem den kleinen und mittelständisch positionierten Unternehmen der Bauwirtschaft, den Anschluss an die Entwicklung zu verlieren.
(Quelle: rbv GmbH)