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32. Oldenburger Rohrleitungsforum

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Autor: Redaktion

32. Oldenburger Rohrleitungsforum

Rohrleitungen unterliegen wie alle anderen Bauwerke dem technischen Verschleiß und der Alterung. Da viele Leitungsnetze bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden, sind dementsprechend besonders in den Innenbereichen größerer Städte umfangreiche Maßnahmen zu erwarten. „Hierbei muss es sich nicht immer zwangsläufig um Neubau handeln“, erklärt Prof. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V., Geschäftsführer der iro GmbH Oldenburg und Vizepräsident der Jade Hochschule. „Mittlerweile gibt es viele gute, angepasste Technologien, die von grabenloser Verlegung bis hin zu ausgefeilter Sanierungstechnik reichen.“ Dementsprechend sollen am 8. und 9. Februar Neuerungen in der Sanierungstechnik vorgestellt, aber auch die digitalen Themen der Vorjahre weitergesponnen werden. Nicht vernachlässigt werden die Klassiker, die wie immer Eingang in das Programm des Oldenburger Rohrleitungsforums finden. Gespannt sein können die Besucher auch wieder auf die „Diskussion im Café“ und den „Ollnburger Gröönkohlabend“ in der Weser-Ems-Halle, der den ersten Veranstaltungstag beschließen wird.
Die inhaltliche Basis wird wie im letzten Jahr während der vorabendlichen Eröffnung im Sitzungssaal des ehemaligen Oldenburger Landtagsgebäudes gelegt. Während sich der Festvortrag zum 32. Oldenburger Rohrleitungsforum mit der „DVGW Initiative „Energieimpuls“ und dem Beitrag der Gase und Gasinfrastrukturen im Klimaschutz“ auseinandersetzt, geht einer der beiden Einführungsvorträge auf das Thema „Sanierung der Rohrleitungssysteme – ökonomisch notwendig, technisch vielfältig, qualitativ hochwertig“ ein. Er macht deutlich, dass sich in diesem Bereich in den letzten Jahrzehnten viel getan hat. Auftraggeber und Netzbetreiber können heute aus einer breiten Palette von Materialien, Verfahren und Techniken wählen, wenn es um die Instandhaltung der unterirdischen Leitungsinfrastruktur geht. Dass sich hierbei das Verhältnis von Neubau und Sanierung stetig ändert, zeigen die Ergebnisse der im Mai 2016 von der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) veröffentlichten Umfrage zum Zustand der Kanalisation in Deutschland. Im öffentlichen Bereich weisen rund ein Fünftel der Kanalhaltungen Schäden auf, die kurz- bis mittelfristig saniert werden müssen. Bezogen auf die gesamte Kanalnetzlänge in Deutschland entspricht dies rund 3 %. Gravierende Änderungen zeigten sich im Bereich der Sanierungsverfahren. Der Anteil der Erneuerungen ging von 53,0 % (2001) auf 26,3 % im Jahr 2013 zurück. Umgekehrt veränderte sich der Anteil der Reparaturverfahren von 30,0 % auf 55,3 %. Der Anteil der Renovierungsverfahren veränderte sich von 17,0 % auf 18,4 %.
Fünf Themenstränge wie bisher
Untersuchungen wie diese unterstreichen: Es ist an der Zeit, den Sanierungstechniken die Beachtung zu erweisen, die sie verdienen. Das geschieht an zwei Veranstaltungstagen in gewohnter Manier: Es gibt fünf thematische Vortragsstränge mit insgesamt 30 Veranstaltungen, die mit jeweils drei Referenten und einem Moderator dem bewährten Muster folgen. Hinzu kommt die Diskussion im Café. Der erste Vortragsstrang beginnt am Donnerstagmorgen und ist dem Leitthema vorbehalten. Nach dem Auftakt mit Antworten auf die Frage „Kanalsanierung – wie gehe ich vor?“ stellt ein regionaler Netzbetreiber „Moderne Verfahren zur Inspektion und Sanierung von Abwassernetzen“ vor. Weiter geht es mit Beispielen aus der Praxis, denen Vorträge zu den Themenkomplexen „Qualität bei der Sanierung“ sowie „Innovative Rennovationsverfahren“ folgen. Die zweite Vortragsreihe ist traditionell den Werkstoffen vorbehalten. Die verschiedenen Hersteller nutzen die Gelegenheit und stellen vor, was bei Ihnen der Stand der Technik ist. Hierin quasi eingebettet werden die Kabel – ein nach wie vor eher stiefmütterlich behandeltes Thema. Immerhin sorgen die Entwicklungen bei den Höchstspannungs-Erdkabeltrassen bei den Fachleuten für Interesse und die Vorstellung von innovativen Bettungsmaterialien dürfte für Diskussionen sorgen.
Hier geht´s ums Gas
Beim dritten Vortragsstrang geht es ums Gas. Neben Ausführungen über die „Ingenieurbaukunst im Pipelinebau“ – vorgestellt werden neue geschlossene Kreuzungsverfahren in Abhängigkeit von geologischen Untergründen, aktiver baubegleitender Bodenschutz während des Pipelinebaus sowie eine Querung von DB-Bahngleisen mittels Rohrvortrieb – beschäftigen sich die Referenten mit der „Planung und Vorbereitung als Schlüssel zum Erfolg“. Insbesondere liegt hier der Fokus auf der frühzeitigen und aktiven Einbindung der Bevölkerung in die verschiedenen Prozesse. Diskussionen, wie sie zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) geführt wurden, haben gezeigt, dass informelle Öffentlichkeitsbeteiligung ein wichtiges Instrument zur Beschleunigung der Genehmigung von Infrastrukturvorhaben darstellt. Die NEL führt über 440 km von Lubmin an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern bis nach Rehden in Niedersachsen. Trotz verschiedener Anwohnerklagen konnte die Pipeline nach 15 Monaten Bauzeit ihren Betrieb aufnehmen. Seitdem können jährlich mehr als 20 Mrd. m³ Erdgas durch die NEL in die deutsche Gasinfrastruktur strömen. Das entspricht etwa einem Fünftel des gesamtdeutschen Erdgasbedarfs.
Ist das Gasnetz noch zu retten?
Bei der traditionellen Diskussion im Café wird die Frage gestellt, ob das Gasnetz noch zu retten ist. Investitionen in die Netzinfrastruktur zur Aufrechterhaltung der betrieblichen und technischen Erfordernisse sind elementare Aufgaben des Netzbetreibers und verschlingen erhebliche Mittel. Mit Blick auf die Ziele des Klimaschutzes und vor dem Hintergrund politischer Entscheidungen stellt sich die Frage nach einem geregelten Nutzungsausstieg zu einem bestimmten Datum und den anderenfalls entstehenden Entschädigungsansprüchen des Investors für langlebige Netze bei einem Ad-hoc-Ausstieg. Was können wir jetzt tun, um die Netze sicher zu betreiben und welche Szenarien sind denkbar? Mit diesen und anderen Fragen können sich die Teilnehmer auseinandersetzen.
Grabenlos im Fokus
Den Auftakt der vierten Vortragsreihe bilden die Vortragsblöcke zur grabenlosen Verlegetechnik. Fachleute berichten über die aktuellen Entwicklungen im Horizontal Directional Drilling. Praxisbeispiele zur Sicherung der Infrastruktur in Hamburg sowie Erfahrungsberichte aus der Welt der Bau- und Verfahrenstechnik des Rohrleitungsbaus komplettieren, neben aktuellen Informationen der German Society for Trenchless Technology (GSTT), diesen Bereich. Der fünfte und letzte Vortragsstrang bildet 2018 die einzige Einheit, die sich unter dem Titel „Bedeutung und Bewertung von Wasserverlusten in Trinkwassernetzen“ mit dem Thema Wasser beschäftigt. Gleichzeitig wird in Vorträgen über Building Information Modeling (BIM) und Industrie 4.0 der digitale rote Faden der letzten beiden Foren noch einmal aufgegriffen. Mit Klassikern wie Fernwärme und Schweißtechnik geht das Forum zu Ende.
Das Forum ist komplett ausgebucht. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 3 000 Besuchern aus dem In- und Ausland, die gemeinsam mit rund 350 Ausstellern und etwa 130 Referenten und Moderatoren die Jade Hochschule an der Ofener Straße in Oldenburg für zwei Tage zum Mittelpunkt der Tiefbaubranche machen werden.
(Quelle: Institut für Rohrleitungsbau Oldenburg (iro))