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Europas Gasnetz wäre für einen Ukraine-Ausfall gut gerüstet

Die Europäische Union wäre gegen vorübergehende Gaslieferunterbrechungen durch den Ausfall der Ukraine als Transitland deutlich besser gewappnet als noch im Krisenjahr 2009 – was vor allem an dem Ausbau der Erdgasinfrastruktur in den letzten Jahren liegt.

von | 31.03.15

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Die Europäische Union wäre gegen vorübergehende Gaslieferunterbrechungen durch den Ausfall der Ukraine als Transitland deutlich besser gewappnet als noch im Krisenjahr 2009 – was vor allem an dem Ausbau der Erdgasinfrastruktur in den letzten Jahren liegt. Mit Ausnahme weniger Länder in Südosteuropa könnte die Gasversorgung für mehrere Monate gesichert werden.

Dauerhaft kann Europa allerdings derzeit nicht auf die Ukraineroute verzichten.

Eine aktuelle Studie, die das Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) gemeinsam mit weiteren Partnern durchgeführt hat, untersucht die Erdgasversorgungssicherheit Europas im Falle eines Lieferstopps von russischem

Erdgas durch die Ukraine.

Die größere Widerstandfähigkeit Europas gegen einen Ausfall der Transite durch die Ukraine hat mehrere Gründe:

1. Die Abhängigkeit von Ukraine-Transiten ist in den letzten Jahren deutlich

gesunken. In 2014 wurden etwa 55 Mrd. m 3 Erdgas durch die Ukraine nach

Europa geliefert – in 2005 waren es noch 121 Mrd. m3 .

2. Die europäische Gasinfrastruktur wurde in den vergangen Jahren stark

ausgebaut. Dazu zählen die neue Nord-Stream Pipeline durch die Ostsee,

weitere Flüssiggasterminals (LNG) sowie zahlreiche Gasspeicher. Zudem

können nahezu 40 Prozent der Grenzübertragungsstellen heute Gas in beide

Richtungen befördern, d.h. im Ernstfall könnte Erdgas auch in entgegen der

normalen Flussrichtung von West- nach Osteuropa gelangen.

3. Zudem bleibt die aktuelle Gasnachfrage weit hinter den Erwartungen zurück.

War vor wenigen Jahren noch mit einer jährlichen Nachfrage in Europa von ca.

550 Mrd. m 3 gerechnet worden, lag sie zuletzt bei nur ca. 450 Mrd. m 3 . Aufgrund

des geringeren Bedarfs ist die europäische Infrastruktur schwächer ausgelastet

als geplant. Im Krisenfall stünde die freie Kapazität aber zusätzlich zur

Verfügung.

4. Die europäische Gesetzgebung hat sich in den vergangen Jahren entscheidend

weiterentwickelt. Internationale Koordinationsmechanismen, die im Falle einer

Krise greifen sollen, wurden verbessert.

Es ist allerdings fraglich, ob die gute Versorgungssicherheit und das dafür nötige Ausmaß an Infrastruktur auch für die Zukunft Bestand hat. „Wir beobachten momentan eine paradoxe Situation“, erläutert Dr. Harald Hecking, Mitautor der Studie, die

Ergebnisse, „die momentane Nachfrageschwäche des europäischen Erdgassektors fördert zwar in besonderem Maße die Versorgungssicherheit, gleichzeitig ist sie natürlich für manchen Betreiber von Gasinfrastruktur wirtschaftlich herausfordernd. Es

ist also fraglich, ob die Versorgungslage in den nächsten Jahren auf dem hohen Niveau bleibt.“

Auch wenn die meisten europäischen Länder zeitweilige Versorgungsunterbrechungen etwa mit Gasspeichern überbrücken könnten, betonen die Autoren der Studie, dass Europa zurzeit nicht dauerhaft auf Transit durch die Ukraine verzichten kann. Selbst bei sehr guter Verfügbarkeit von Flüssiggas (LNG) auf dem Weltmarkt, würde die Jahresnachfrage vieler südosteuropäischer Länder nicht mehr gedeckt werden. Besonders betroffen wären Bulgarien, Serbien, Mazedonien, Ungarn, Rumänien sowie Bosnien und Herzegowina.

Die komplette Studie ist unter diesem Link abrufbar:

http://www.ewi.uni-koeln.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Studien/Politik_und_Gesellschaft/2015/Ukrainian_crisis_Europes_increased_security_position_final.pdf

Die Europäische Union wäre gegen vorübergehende Gaslieferunterbrechungen durch den Ausfall der Ukraine als Transitland deutlich besser gewappnet als noch im Krisenjahr 2009 – was vor allem an dem Ausbau der Erdgasinfrastruktur in den letzten Jahren liegt. Mit Ausnahme weniger Länder in Südosteuropa könnte die Gasversorgung für mehrere Monate gesichert werden.

Dauerhaft kann Europa allerdings derzeit nicht auf die Ukraineroute verzichten.

Eine aktuelle Studie, die das Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) gemeinsam mit weiteren Partnern durchgeführt hat, untersucht die Erdgasversorgungssicherheit Europas im Falle eines Lieferstopps von russischem

Erdgas durch die Ukraine.

Die größere Widerstandfähigkeit Europas gegen einen Ausfall der Transite durch die Ukraine hat mehrere Gründe:

1. Die Abhängigkeit von Ukraine-Transiten ist in den letzten Jahren deutlich

gesunken. In 2014 wurden etwa 55 Mrd. m 3 Erdgas durch die Ukraine nach

Europa geliefert – in 2005 waren es noch 121 Mrd. m3 .

2. Die europäische Gasinfrastruktur wurde in den vergangen Jahren stark

ausgebaut. Dazu zählen die neue Nord-Stream Pipeline durch die Ostsee,

weitere Flüssiggasterminals (LNG) sowie zahlreiche Gasspeicher. Zudem

können nahezu 40 Prozent der Grenzübertragungsstellen heute Gas in beide

Richtungen befördern, d.h. im Ernstfall könnte Erdgas auch in entgegen der

normalen Flussrichtung von West- nach Osteuropa gelangen.

3. Zudem bleibt die aktuelle Gasnachfrage weit hinter den Erwartungen zurück.

War vor wenigen Jahren noch mit einer jährlichen Nachfrage in Europa von ca.

550 Mrd. m 3 gerechnet worden, lag sie zuletzt bei nur ca. 450 Mrd. m 3 . Aufgrund

des geringeren Bedarfs ist die europäische Infrastruktur schwächer ausgelastet

als geplant. Im Krisenfall stünde die freie Kapazität aber zusätzlich zur

Verfügung.

4. Die europäische Gesetzgebung hat sich in den vergangen Jahren entscheidend

weiterentwickelt. Internationale Koordinationsmechanismen, die im Falle einer

Krise greifen sollen, wurden verbessert.

Es ist allerdings fraglich, ob die gute Versorgungssicherheit und das dafür nötige Ausmaß an Infrastruktur auch für die Zukunft Bestand hat. „Wir beobachten momentan eine paradoxe Situation“, erläutert Dr. Harald Hecking, Mitautor der Studie, die

Ergebnisse, „die momentane Nachfrageschwäche des europäischen Erdgassektors fördert zwar in besonderem Maße die Versorgungssicherheit, gleichzeitig ist sie natürlich für manchen Betreiber von Gasinfrastruktur wirtschaftlich herausfordernd. Es

ist also fraglich, ob die Versorgungslage in den nächsten Jahren auf dem hohen Niveau bleibt.“

Auch wenn die meisten europäischen Länder zeitweilige Versorgungsunterbrechungen etwa mit Gasspeichern überbrücken könnten, betonen die Autoren der Studie, dass Europa zurzeit nicht dauerhaft auf Transit durch die Ukraine verzichten kann. Selbst bei sehr guter Verfügbarkeit von Flüssiggas (LNG) auf dem Weltmarkt, würde die Jahresnachfrage vieler südosteuropäischer Länder nicht mehr gedeckt werden. Besonders betroffen wären Bulgarien, Serbien, Mazedonien, Ungarn, Rumänien sowie Bosnien und Herzegowina.

Die komplette Studie ist unter diesem Link abrufbar:

http://www.ewi.uni-koeln.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Studien/Politik_und_Gesellschaft/2015/Ukrainian_crisis_Europes_increased_security_position_final.pdf

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