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Monitoringbericht zur Energiewende mit 10 Schlüsselmaßnahmen vorgelegt

Der veröffentlichte Monitoringbericht zur Energiewende ist ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag und wurde von den wissenschaftlichen Instituten BET und EWI im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie extern durchgeführt.

von | 16.09.25

Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Darauf aufbauend legt Bundesministerin Katherina Reiche Vorschläge für zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vor.

Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche dankt den Studienerstellern und betont:

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist zweifellos ein großer Erfolg – heute stammen schon fast 60 Prozent unseres Stroms aus Wind, Sonne und Co. Dennoch: die Energiewende steht an einem Scheideweg. Damit sie gelingt, müssen Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kostentragfähigkeit des Energiesystems für unseren Wirtschaftsstandort ins Zentrum rücken. Denn nur mit sicherer, sauberer und bezahlbarer Energie können wir Arbeitsplätze sichern, Wettbewerbsfähigkeit erhalten und sozialen Zusammenhalt stärken. Wir brauchen jetzt eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die Energiewende kann nur durch mehr Pragmatismus und Realismus gelingen. Energiepolitische Entscheidungen dürfen keine Fehlinvestitionen oder Überregulierung erzeugen, sondern müssen auf Markt, Technologievielfalt und Innovation setzen. So schaffen wir die Basis für eine Energiewende, die nicht nur klimaneutral macht, sondern auch krisenfest, wirtschaftlich tragfähig und für alle verlässlich bleibt.

Bundesministerin Katherina Reiche schlägt zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vor:

  1. Ehrliche Bedarfsermittlung und Planungsrealismus
  2. Erneuerbare Energien markt- und systemdienlich fördern
  3. Netze, Erneuerbare Energien und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen
  4. Technologieoffenen Kapazitätsmarkt schnell implementieren
  5. Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
  6. Einheitliche und liquide Energiemärkte erhalten und ausbauen
  7. Förderregime überprüfen, Subventionen systematisch senken
  8. Forschung zukunftsgerichtet vorantreiben, Innovationen fördern
  9. Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern, überkomplexe Vorgaben abbauen
  10. CCS/CCU als Klimaschutztechnologie etablieren

Den Monitoringbericht finden Sie hier: BMWE – Energiewende. Effizient. Machen.

Die zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundlichen Schlüsselmaßnahmen im Detail finden Sie hier: BMWE – Klimaneutral werden – wettbewerbsfähig bleiben (PDF, 168 KB)

(Quelle: BMWE/2025)

Einige Stimmen aus der Branche:

DVGW:

“Positiv ist, dass das BMWE die Wasserstoff-Nutzung in allen Szenarien als wesentlich zur Erreichung der Treibhausgasneutralität bewertet. Auch die Vorteile der heimischen Wasserstoffproduktion, etwa durch die Möglichkeit zur sektorübergreifenden Nutzung von Flexibilitäten im Stromsystem, werden anerkannt.

Zu begrüßen ist zudem, dass Deutschland eine Schlüsselrolle zugeschrieben wird bei Wasserstoffspeichern, die als zentrale Flexibilisierungsoption zwischen volatiler Erzeugung und schwankender Nachfrage sowie als Maßnahme zur Steigerung der Versorgungssicherheit angesehen werden. Gut ist weiterhin, dass das Monitoring die Kombination von Elektrolyse, Wasserstoffspeicher und Rückverstromung für die saisonale Speicherung von Strom anerkennt ebenso wie den Beitrag, den regelbare, mit Wasserstoff betriebene Kraftwerke zur Versorgungssicherheit leisten können. Und dass Wasserstoff in KWK-Anlagen zur Deckung des Wärmebedarfs beitragen kann.

Skeptisch sehen wir, dass der Einsatz von Wasserstoff vor allem in der Industrie, im Energiesektor sowie zur Erzeugung von Prozesswärme auf hohem Temperaturniveau als notwendig erachtet wird, seine Potenziale im Gebäude- und im Verkehrssektor sowie das Gasverteilnetz als wichtiges Element der Energieinfrastruktur hingegen weiterhin als nicht signifikant eingestuft werden. Da geht noch mehr: Die Notwendigkeit und das hohe Potenzial der Verteilnetzinfrastruktur, Wasserstoff über die vorhandenen Gasnetze an eine Vielzahl unterschiedlicher Abnehmer zu transportieren, werden nicht gesehen. Und auch nicht die Synergie-Effekte: Werden Industriekunden über das Verteilnetz mit Wasserstoff versorgt, kann dies ein wichtiger Standortfaktor auch für neue Wohngebiete sein – und umgekehrt. Hier muss ein Umdenken erfolgen. Das Gasverteilnetz mit einer Länge von über 500.000 km nicht ausreichend zu nutzen, bedeutet, Möglichkeiten zu verkennen und Chancen zu vergeben.”

AGORA-Energiewende

Den Erneuerbaren-Ausbau auf Basis einer niedrigeren Stromverbrauchsprognose für 2030 zu bremsen, ist kurzsichtig, kostspielig und sendet das falsche Signal an die heimische Wirtschaft. Unabhängig von der Nachfrageentwicklung verteuert ein gedrosselter Zubau von Wind- und Solarenergie den Strompreis 2030 um 2 Cent pro Kilowattstunde – für Haushalte und Unternehmen summieren sich die zusätzlichen Kosten 2030 so auf mindestens 12 Milliarden Euro. Dieser Kurs würde die gerade beschlossene Strompreisentlastung, die das Bundeswirtschaftsministerium mit rund 10 Milliarden Euro Haushaltsmitteln auf 2,4 Cent pro Kilowattstunde beziffert, fast vollständig zunichtemachen.

Anstatt den Rotstift bei den Erneuerbaren Ausbauzielen anzusetzen und so den Strom zu verteuern, sollte die Bundesregierung besser Kostensparpotenziale beim Netzausbau und -betrieb nutzen, um die Strompreise zu senken. Denn unabhängig davon, wie schnell die Stromnachfrage tatsächlich steigt, sichern der konsequente Ausbau Erneuerbarer Energien und ein kosteneffizientes Stromnetz dauerhaft attraktive Strompreise: Davon profitiert die Staatskasse ebenso wie Unternehmen und Haushalte.

Bioenergieverbände im Hauptstadtbüro Bioenergie

„Der Monitoringbericht bestätigt zu Recht: Biomasseanlagen sind wichtige Eckpfeiler der Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz in unserem Energiesystem und auch langfristig maßgebliche Treiber bei der Erreichung der Treibhausgasneutralität. Auch soll die Bioenergie laut Bericht in den Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie eine wichtige Rolle bei der Senkung der Kosten übernehmen, was wir ausdrücklich begrüßen. Vor allem aber weist der Monitoringbericht auf die großen Vorteile flexibler Bioenergiekapazitäten hin, da diese direkt den Bedarf an fossilen Gaskraftwerken reduzieren können,“ erläutert Sandra Rostek, Leiterin des HBB.

Gleichwohl seien die sich daraus ergebenden Potenzialberechnungen vor allem im Stromsektor nicht sachgerecht. „Bei den Potenzialen der Bioenergie haben die Studienautoren leider erneut darauf zurückgegriffen, alten Wein in neue Schläuche zu füllen. Das Mengenpotenzial der Stromerzeugung aus Bioenergie wurde aufgrund eines Methodenfehlers erneut viel zu niedrig angesetzt, da man sich auf Szenarien bezieht, die bereits fälschlicherweise voraussetzen, dass die Stromerzeugung aus Biomasse perspektivisch sinkt. Allein durch eine Flexibilisierung des bestehenden Biogasanlagenbestands sind bis 2030 bis zu 12 Gigawatt möglich – und das ganz ohne zusätzliche Biomassemengen erschließen zu müssen! In den zukünftigen Strategien der Bundesregierung müssen diese Potenziale konsequenter mit einbezogen werden,“

Die Bioenergieverbände drängen daher erneut auf schnellstmögliche Genehmigung des Biomassepakets sowie weiterer Maßnahmen zur Flexibilisierung des Anlagenparks

BDEW

Der Monitoringbericht ist ein überzeugender Angang, der vieles wiedergibt, was wir bereits vorbereitet haben: Der Ausbau der Erneuerbaren muss mehr mit den Netzen in Einklang gebracht werden. Der Zubau von Gaskraftwerken, die auf H2 umgestellt werden können, die Ausgestaltung eines technologieoffenen Kapazitätsmarkts bereits bis 2027 sowie den Hochlauf unterstützender Regulierung für Wasserstoff sind allesamt richtige Punkte.

Um die Handlungskraft der Unternehmen zu stärken, müssen die überbordende Bürokratie verschlankt und die Digitalisierung vorangetrieben werden.

Der nun mit 600 bis 700 TWh prognostizierte Strombedarf ist eine gute Standortbestimmung, am Ende aber auch nur eine Momentaufnahme. Die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie entwickelt sich aktuell zwar langsamer als angenommen, dennoch sollte man vorbereitet sein auf anwachsende Stromnachfrage durch die erhoffte konjunkturelle Erholung und auf neue und zusätzliche Stromnachfrage u.a. durch Elektrolyseure, Rechenzentren, die E-Mobilität und die Wärmeversorgung.

Am erheblichen Ausbaubedarf Erneuerbarer Energien ändert sich aus Sicht der Energiebranche nichts. Berücksichtigt man die Volllaststunden der Erneuerbaren, so erreicht man im Jahr 2030 mit den jetzigen Ausbauzielen einen Anteil von 80 Prozent Erneuerbaren bei einem Stromverbrauch von 620 TWh – und nicht von 750 TWh. Der aktuelle Ausbaupfad beschreibt also eine „sowieso“-Notwendigkeit. Um diese Ziele zu erreichen, dürfen wir jetzt nicht im Tempo nachlassen. Es bleibt wichtige Aufgabe der Bundesregierung, die Planung und Genehmigung zu beschleunigen. So begrüßen wir ausdrücklich die Ankündigung, RED III zügig umzusetzen.  Die Unternehmen brauchen einen verlässlichen Kurs, Planungs- und Investitionssicherheit.

Richtigerweise benennt das Monitoring die Notwendigkeit, System- und Kosteneffizienzpotenziale zu erkennen und zu heben. Durch eine stärkere Fokussierung auf Systemeffizienz lässt sich die Energiewende günstiger und zugleich stabiler gestalten.

Die Finanzierbarkeit des Netzausbaus ist richtigerweise benannt worden. Der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur sind der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts. Ein „Deutsche-Bahn-Effekt“ – zu spät oder zu wenig in die Infrastruktur zu investieren – darf uns nicht passieren.“

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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