Die deutschen Gasspeicher starten mit einem historisch niedrigen Füllstand in die letzten beiden Monate der Befüllungsphase. Anfang September waren sie zu rund 53 % gefüllt. Im Vorjahr war dieses Niveau bereits Ende Juni erreicht worden. Anfang September 2025 lag der Füllstand bei rund 71 % und damit rund 20 Prozentpunkte höher als heute.
Seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren wurde zu dieser Jahreszeit kein vergleichbar niedriger Speicherfüllstand verzeichnet. Die Wiederbefüllung ist damit im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinter dem notwendigen Tempo zurückgeblieben.
77 % sind technisch noch möglich – gebuchte Kapazitäten müssen jetzt befüllt werden
Die aktuellen INES-Modellrechnungen zeigen, dass bis zum 1. November 2026 technisch noch ein Speicherfüllstand von rund 77 % erreicht werden kann. Damit könnte der Füllstand nahezu an den aktuellen Buchungsstand von rund 83 % heranreichen.
Die technische Möglichkeit allein garantiert jedoch noch keine entsprechende Befüllung. Entscheidend ist, ob die Speicherkunden ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich nutzen und in den kommenden Wochen ausreichend Gas einspeichern.
Dafür müsste sich das Befüllungstempo erheblich erhöhen: In den verbleibenden zwei Monaten bis zum 1. November müssten insgesamt mehr Gasmengen eingespeichert werden als in den vergangenen drei Monaten zusammen. Bleibt die Befüllung auf dem derzeit niedrigen Niveau, wird auch der technisch noch erreichbare Füllstand im weiteren Verlauf sinken.
Bei extrem kaltem Winter reichen 77 % nicht aus
Wie wichtig eine möglichst starke Befüllung vor dem Winter ist, zeigt die Sensitivitätsanalyse der INES-Gas-Szenarien. Bei normalen Wintertemperaturen wäre ein Füllstand von rund 77 % zum 1. November nach den Modellrechnungen ausreichend, um die Gasversorgung im Winter 2026/27 vollständig zu gewährleisten. In diesem Szenario würden die Speicherfüllstände bis zum 1. April 2027 auf rund 38 % sinken.
Bei extrem kalten Temperaturen reicht ein Füllstand von rund 77 % hingegen nicht aus. An einzelnen Tagen im Januar kann es zu Unterdeckungen von über 25 % kommen. Um die Gasversorgung auch bei extrem kalten Temperaturen vollständig gewährleisten zu können, sind deshalb ein höherer Buchungsstand und die tatsächliche Befüllung der gebuchten Kapazitäten erforderlich.
Aktionsplan von INES zeigt Maßnahmen für eine stärkere Befüllung auf
Ob die gebuchten Kapazitäten tatsächlich befüllt werden, hängt maßgeblich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die aktuellen Marktbedingungen setzen keine ausreichenden Anreize für eine stärkere Einspeicherung. Insbesondere die infolge der Sperrung der Straße von Hormus gestiegenen Gaspreise und der teilweise sogar negative Sommer-Winter-Spread erschweren die Speicherbefüllung.
INES hat deshalb mit ihrem Aktionsplan konkrete Maßnahmen vorgelegt, mit denen die Speicherbefüllung kurzfristig gestärkt werden kann. Dazu gehören eine vollständige Rabattierung der Netzentgelte an Speicheranschlusspunkten und die Abschaffung der Konvertierungsumlage für die Speichernutzung. Darüber hinaus schlägt INES staatlich unterstützte, vergünstigte Finanzierungsmöglichkeiten – beispielsweise über die KfW – vor, um die Finanzierungskosten für einzuspeicherndes Gas zu senken.
Zusätzliche Ausschreibungen von Long-Term Options (LTO) können ebenfalls zusätzliche Einspeicherungen anreizen. Sie können nach Einschätzung von INES jedoch nur einen begrenzten Beitrag leisten und sollten deshalb als Bestandteil eines umfassenderen Maßnahmenpakets eingesetzt werden.
Speicher brauchen auch langfristig einen verlässlichen Rahmen
Über die kurzfristig erforderlichen Maßnahmen hinaus spricht sich INES für einen verlässlichen Rahmen aus, der eine ausreichende Speicherbefüllung und den Erhalt der für die Versorgungssicherheit benötigten Speicherkapazitäten dauerhaft gewährleistet. Dafür sollten wirtschaftliche Anreizmodelle, wirksam ausgestaltete Verpflichtungen oder eine Kombination beider Ansätze geprüft werden.
Ziel sollte ein Modell sein, das Versorgungssicherheit gewährleistet und zugleich möglichst große Spielräume für eine marktwirtschaftliche Speicherbewirtschaftung erhält.
(Quelle: INES/2026)







