Der Winterverlauf 2025/26 war bislang durch moderate Temperaturen geprägt. Der Dezember lag mit einer Monatsmitteltemperatur von 3,1 Grad nahezu exakt im Bereich normaler Temperaturen (Annahme in den INES-Gas-Szenarien: 3,2 Grad). Zum Vergleich: Im extrem kalten Winter 2010 lag die Monatsmitteltemperatur bei -4,1 Grad. Dies hat die Ausgangslage für den weiteren Winterverlauf verbessert und den in den Modellen ausgewiesenen Gasmangel gegenüber dem November-Update reduziert.
Auch der Januar verläuft bislang zwar kälter als ein Normaljahr, jedoch ohne Extremwerte. Die bisherige Monatsmitteltemperatur liegt bei −0,4 Grad und damit deutlich über dem Referenzwert des extrem kalten Winters 2010 (−4,6 Grad). Entsprechend hat sich die Entleerung der Gasspeicher bislang weniger stark beschleunigt als in den extrem kalten Szenarien. Trotzdem entwickeln sich die Speicherfüllstände mittlerweile auf einem historisch niedrigen Niveau.
Die INES-Szenarien zeigen weiterhin, dass es bei extrem kalten Temperaturen zu Unterdeckungen kommen kann. Ein in der Modellierung ausgewiesener Gasmangel bedeutet jedoch keine physische Nicht-Versorgung, sondern würde sich in der Realität zunächst durch starke Preissteigerungen äußern, die Verbrauchsreduktionen erzwingen und so den Markt wieder in einen ausgeglichenen Zustand bringen. Erste Preissteigerungen an den Großhandelsmärkten sind bereits zu beobachten.
Deutschland ist mit einem Speicherfüllstand von lediglich 75 % in die Heizperiode gestartet. Zum Jahresbeginn 2026 lag der Gesamtspeicherfüllstand bei nur noch 57 Prozent – rund 23 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Ein vergleichbar niedriges Niveau wurde zuletzt im Krisenwinter 2021/22 verzeichnet.
Die unzureichende Ausgangsbefüllung vor dem Winter 2025/26 stellt damit weiterhin den zentralen Risikofaktor für die Versorgungssicherheit dar. Zwar hat der bisherige Winterverlauf die Lage temporär entspannt, an den strukturellen Schwächen der Wintervorsorge ändert dies jedoch nichts.
Marktverzerrung schwächen Einspeiseanreize
Ursächlich für die unzureichende Befüllung sind unter anderem die bestehenden Füllstandsvorgaben und die damit verbundenen Marktverzerrungen. Diese beeinflussen die Preisbildung, dämpfen den saisonalen Sommer-/Winter-Spread und schwächen damit die marktwirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung.
Über das Gasspeichergesetz bestand für die Bundesregierung die Möglichkeit, staatliche Instrumente einzusetzen und höhere Füllstände sicherzustellen. Davon wurde kein Gebrauch gemacht, da hohe Kosten befürchtet wurden. Vor diesem Hintergrund ist es folgerichtig, dass die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag ankündigt, „Instrumente auf den Weg zu bringen, um eine versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen“ (Koalitionsvertrag, Seite 30).
Ein Blick auf die Speicherfüllstände anderer EU-Mitgliedstaaten zeigt zudem, dass die Wintervorsorge durch geeignete politische Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden kann. In einem integrierten EU-Binnenmarkt ist ein rein wettbewerblicher Ansatz für Gasspeicher in Deutschland nur bedingt tragfähig, wenn Nachbarländer ihre Speicherbewirtschaftung regulativ absichern.
Aktuelle Informationen zu den Gasspeicherfüllständen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern können Sie jederzeit über die INES-Speicherkarte abrufen. Darüber hinaus können dort Speicherdaten nicht nur nach unterschiedlichen Speichertypen (Kavernen- und Porenspeicher) sondern auch nach Gasqualitäten (L-/H-Gas und Wasserstoff) gefiltert werden.







