Zum 1. Juli 2026 waren die deutschen Gasspeicher durchschnittlich lediglich zu 41 % gefüllt – der niedrigste Wert zu diesem Zeitpunkt seit dem Krisenjahr 2021/2022. Ursache sind zum einen die hohen Ausspeicherungen am Ende des Winters 2025/2026, zum anderen die stark gestiegenen Gaspreise, die die Wiederbefüllung bislang erheblich erschweren.
„Unsere Modellrechnungen zeigen, dass die Infrastruktur grundsätzlich in der Lage ist, die Gasspeicher bis zum Winter weiter zu befüllen. Entscheidend ist jedoch, dass hierfür auch ausreichende Buchungen vorliegen und die gebuchten Kapazitäten tatsächlich genutzt werden. Andernfalls steigt das Risiko für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter erheblich“, erklärt Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (INES).
76 % reichen bei extremer Kälte möglicherweise nicht aus
Die Szenarioanalysen zeigen, dass ein Speicherfüllstand von 76 % zum 1. November 2026 bei normalen oder warmen Wintertemperaturen ausreicht, um die Gasversorgung sicherzustellen. Anders stellt sich die Situation bei einem außergewöhnlich kalten Winter dar.
In einem Szenario mit Temperaturen wie im Referenzjahr 2010 könnte ein Speicherfüllstand von 76 Prozent nicht ausreichen, um die Versorgung vollständig sicherzustellen. Nach den Modellrechnungen käme es im Februar und März 2027 zu Unterdeckungen von bis zu 9 TWh pro Monat. An einzelnen Tagen könnte der Gasmangel sogar bis zu 2 TWh pro Tag betragen.
Marktanreize für eine stärkere Speicherbefüllung erforderlich
Eine Befüllung der Gasspeicher auf den derzeitigen Buchungsstand von 76 % ist rein technisch weiterhin möglich. Ob dieses Niveau tatsächlich erreicht wird, hängt jedoch maßgeblich von den Marktbedingungen ab. Der aktuell weiterhin negative Sommer-Winter-Spread erschwert wirtschaftliche Einspeicherungen erheblich und setzt kaum Anreize, die gebuchten Kapazitäten tatsächlich zu befüllen.
Aus Sicht von INES müssen deshalb die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert werden, damit die Speicher vor Beginn des Winters stärker befüllt werden können. Nur so lässt sich die Gasversorgung auch bei extremen Wetterlagen zuverlässig absichern.
„Die Modellierungen zeigen deutlich: Für durchschnittliche Winter ist die Versorgung abgesichert. Bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich. Deshalb müssen bereits heute die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Speicher stärker zu befüllen und die Versorgung auch gegen sehr kalte Temperaturen abzusichern“, so Heinermann.
*Es wurde der Vermarkungsstand vom 24.06.26 zugrunde gelegt.







