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INES empfiehlt bei einer Resilienzreserve Volumen von 78 TWh

Niedrige Speicherfüllstände zu Winterbeginn und neue geopolitische Risiken haben die Verwundbarkeit des deutschen Gassystems offengelegt. INES spricht sich daher bei der Einrichtung einer strategischen Resilienzreserve für ein Volumen von 78 TWh aus.

von | 05.03.26

Die Befüllung der Gasspeicher vor dem Winter 2025/26 war für sehr kalte Temperaturen unzureichend. Dass es bislang nicht zu einer ernsthaften Belastungsprobe für das Gassystem gekommen ist, lag maßgeblich an dem insgesamt normalen Temperaturniveau im Winter. Die strukturelle Verwundbarkeit des Systems besteht jedoch fort – und tritt angesichts geopolitischer Risiken deutlich zutage.

Die jüngsten Entwicklungen rund um die Straße von Hormus verdeutlichen, wie sensibel das europäische Gassystem auf externe Schocks reagiert, wenn die Speicherfüllstände niedrig sind. Höhere Speicherfüllstände stärken die Resilienz des Systems erheblich: Sie verschaffen Zeit, dämpfen Preisspitzen und erhöhen die Versorgungssicherheit im Krisenfall.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass starre Füllstandsvorgaben Marktverzerrungen erzeugen können und zugleich keine verlässliche Absicherung gegen außergewöhnliche Krisensituationen darstellen.

Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag deshalb vorgenommen, die bestehenden Füllstandsvorgaben durch ein Instrument zu ersetzen, das eine versorgungssichere und zugleich kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher gewährleistet. Mit einem Gutachten von Frontier Economics hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die Diskussion auf die Einrichtung einer strategischen Gasreserve in Deutschland ausgerichtet.

INES empfiehlt bei der Einrichtung einer strategischen Gasreserve einen Umfang von 78 TWh. Szenarioanalysen der INES zeigen, dass mit einer Reserve dieser Größenordnung beispielsweise ein vollständiger Ausfall norwegischer Gaspipelines nach Deutschland für 90 Tage überbrückt werden könnte.

Die theoretischen Kosten einer 78-TWh-Reserve liegen – abhängig vom Gaspreisniveau – im ersten Jahr schätzungsweise zwischen 2 und 4 Milliarden Euro. Diese Kosten entstehen vor allem durch die einmalige Befüllung und den damit verbundenen Gaseinkauf. In den Folgejahren fallen Haltekosten an, die deutlich unter den anfänglichen Einrichtungskosten liegen. Damit konzentriert sich der finanzielle Aufwand auf das erste Jahr. Die Gesamtkosten reduzieren sich im Zeitverlauf, wenn Reservemengen im Zuge der Transformation des Energiesystems abgesenkt und marktwertig veräußert werden.

Mit der Einrichtung einer strategischen Reserve stehen dem Markt geringere Speicherkapazitäten zur Verfügung. Bei einer Gesamtkapazität von rund 251 TWh würde eine 78-TWh-Reserve rechnerisch rund 31 % der Kapazität binden. Gleichzeitig verblieben weiterhin etwa 69% der Speicherkapazitäten im Markt.

Um Marktteilnehmern eine geordnete Anpassung an diese neue Kapazitätssituation zu ermöglichen und die Einrichtungskosten möglichst gering zu halten, schlägt INES einen baldmöglichen und zugleich preisoptimierten Aufbau der Reserve vor. Auf diese Weise kann der Markt schrittweise reagieren, während zugleich günstige Einkaufszeitpunkte bei der Einrichtung genutzt werden können.

Die Laufzeit der Reserve sollte mindestens fünf, idealerweise zehn Jahre betragen, um Planungssicherheit zu gewährleisten und die Transaktionskosten, die insb. durch Ausschreibungen und Umlagerungen der Gasreserve entstehen, zu reduzieren.

Die Nutzung der strategischen Reserve sollte ausschließlich im klar definierten Krisenfall erfolgen.

 

(Quelle: INES/2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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