Generic filters
FS Logoi

Gebäudemodernisierungsgesetz: Pragmatismus für Wärmewende

Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) kann aus Sicht des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft den Weg für den Einsatz grüner Gase wie Biomethan oder Wasserstoff in der Wärmewende ebnen. Anlässlich der aktuellen Kabinettsbefassung stellte der Verband klar, dass es gerade im Gebäudebestand in Verbindung mit Biomethan und neuen Technologien wie der Hybridheizung zusätzliche Handlungsoptionen eröffnet. Wie Grüngasquote und Bio-Treppe in der Praxis zusammenspielen sollen, bleibt allerdings bislang unklar.

von | 13.05.26

Bild: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
Bild: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz überarbeitet die Bundesregierung das bisherige Gebäudeenergiegesetz grundlegend. Insbesondere viele detaillierte technische Vorgaben entfallen. Stattdessen sieht der aktuelle Entwurf u. a. die sogenannte Bio-Treppe für neue Heizungen ab 2029 vor. Hiermit sind stufenweise steigende Anteile klimaneutraler Gase gemeint. Flankiert werden soll das Gesetz durch die Einführung einer Grüngasquote. Damit ebnet der Gesetzesentwurf Biomethan und anderen erneuerbaren und dekarbonsierten Gasen wie Wasserstoff und seinen Derivaten den Weg. So können diese gerade im Gebäudebestand einen wesentlichen Beitrag zur Wärmewende leisten.

„Das Gebäudemodernisierungsgesetz schafft kosteneffiziente Handlungsoptionen zur CO2-Minderung besonders im Bestand und damit in der Breite des Wärmemarktes“, erklärt Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. „Gute Politik beginnt mit dem Betrachten der Realität: Weit mehr als die Hälfte aller Heizungen in Deutschland sind Gasheizungen. Wer die Wärmewende vorantreiben will, muss Lösungen für die Breite anbieten und dabei Elektronen und Moleküle zusammendenken. Wärmepumpen, Hybridheizungen, Fernwärme, Biomethan und perspektivisch Wasserstoff sind keine Gegensätze, sondern Bausteine eines resilienten und bezahlbaren Wärmesystems.“

In Deutschland sind rund 13,9 Millionen Gasheizungen in Betrieb. Sie versorgen rund 56 Prozent aller Wohnungen. Der Austausch dieser Anlagen verläuft bislang nur schleppend. Hybridlösungen aus Gas-Brennwertheizung und Wärmepumpe können hier eine Schlüsseltechnologie werden. Sie ermöglichen gerade im Bestand einen pragmatischen Einstieg in die Elektrifizierung, ohne bestehende Infrastruktur vorschnell aufzugeben. Nach Berechnungen des Verbandes lassen sich durch den Austausch von Gas- gegen Wärmepumpenheizungen sowie eine starke Nutzung der Hybridtechnik erhebliche Modernisierungsfortschritte erzielen.

Vor allem aufgrund von Modernisierungsarbeiten am Gebäude und dem Ausbau von Hybridheizungen erwartet der Verband, dass sich der Gasverbrauch im Gebäudesektor bis 2045 etwa halbieren lässt. Ein Heizungsmarktmodell des Verbandes ermittelt in einem modernisierten Bestand bis 2045 einen verbleibenden Gasbedarf von rund 120 TWh pro Jahr. Trotz des Absatzrückgangs wird kein drastischer Anstieg der Netzentgelte erwartet.

Nach Berechnungen des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft lassen sich die ersten Mengenvorgaben von Grüngasquote und Bio-Treppe mit derzeitigen Produktionskapazitäten erfüllen. Durch anstehende Investitionen können diese Kapazitäten bis 2030 deutlich wachsen. Eine Erfüllung der weiteren Mengenanforderungen zu bezahlbaren Preisen wird als realistisch eingeschätzt.

„Kritisch bleibt allerdings der Blick auf das bislang unzureichend ausdefinierte Zusammenspiel von Grüngasquote und Bio-Treppe sowie eine bürokratische Überregulierung bei der Kostenteilung zwischen Vermietern und Mietern“, so Kehler.

Der Verband fordert daher, das GModG im weiteren Verfahren hier gezielt auf einfache Umsetzbarkeit auszurichten.

 

(Quelle: DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT e.V)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer das neuste in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Zehn Jahre GWAdriga: Vom Messen zum Steuern
Zehn Jahre GWAdriga: Vom Messen zum Steuern

„Auf die Menge kommt es an“ – so lautete nicht nur die Headline der ersten GWAdriga-Pressemitteilung. Diese Überlegung der drei Gesellschafter EWE, RheinEnergie und Westfalen Weser Netz war 2016 auch der Ausgangspunkt für die Gründung der GWAdriga. Sie waren sich sicher, dass selbst größere Versorger voraussichtlich nicht das nötige Mengengerüst für einen wirtschaftlichen Betrieb der Gateway-Administration in Eigenregie mitbringen. Der Name GWAdriga entstand beim Gründungstreffen am Pariser Platz mit dem Blick auf die Quadriga und ihre vier Pferde.

mehr lesen
BDG übernimmt EP Ehrler von ABB
BDG übernimmt EP Ehrler von ABB

Die BDG Testing & Automation GmbH (BDG) aus Künzelsau-Amrichshausen, eine 100%ige Tochter der Bürkert Gruppe, Ingelfingen, übernimmt die EP Ehrler Prüftechnik Engineering GmbH aus Niederstetten von ABB.

mehr lesen
Fraunhofer IPM – Spurengasdetektion per resonanter Photoakustik
Fraunhofer IPM – Spurengasdetektion per resonanter Photoakustik

Mit der industrietauglichen Weiterentwicklung eines bekannten Messverfahrens ist es einem Team des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik IPM gelungen, hochsensitive Gassensorik in ein robustes und kompaktes Format zu überführen. Für diese Leistung wurden die Forschenden mit dem Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2026 ausgezeichnet.

mehr lesen
Stapel Probeabo Gas

Sie möchten unser Magazin testen?

Bestellen Sie das kostenlose Probeheft!

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Gas + Energie kostenlos und unverbindlich zur Probe!