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Bio-LNG kommt voran, trotz politischer Hürden

Bio-LNG, also verflüssigtes Biogas, hat fossiles LNG im Schwerlastverkehr nahezu vollständig verdrängt.

von | 07.08.25

Foto: Copyright: Swen Gottschall/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT

98 % des gesamten LNG-Absatzes an deutschen Tankstellen stammen im ersten Halbjahr 2025 aus erneuerbaren Quellen. Der klimafreundliche Kraftstoff dominiert damit den Markt – ein Meilenstein für die Energiewende im Transportsektor. Auch die Infrastruktur zieht mit: Mit über 190 Tankstellen ist Bio-LNG inzwischen flächendeckend in Deutschland verfügbar. Doch trotz wachsender Infrastruktur und beachtlicher THG-Einsparungen gerät der Erfolg in Gefahr – denn die politischen Rahmenbedingungen bleiben unzureichend.

Gleichzeitig bleibt die Absatzentwicklung hinter ihren Möglichkeiten zurück. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 85.917 t LNG verkauft – eine stagnierende Entwicklung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr 2024 lag der LNG-Absatz noch bei gut 90.000 t. Dabei setzt die Klimabilanz ein klares Zeichen: Mehr als 230.000 Tonnen CO₂-Äquivalente konnten durch den Einsatz von Bio-LNG im Vergleich zum Einsatz von Diesel bereits in den ersten sechs Monaten des Jahres eingespart werden. Trotz dieser Erfolge fehlt es weiterhin an verlässlichen politischen Rahmenbedingungen, um das vorhandene Potenzial auch auszuschöpfen.

„Die Speditionsbranche ist bereit, in nachhaltige Antriebe zu investieren – doch sie braucht Planungssicherheit und endlich Gleichbehandlung mit anderen klimaneutralen Antrieben“, erklärt Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. „Die Politik darf nicht länger tatenlos zusehen, wie funktionierende, klimafreundliche Lösungen mit lokaler Wertschöpfung ausgebremst werden.“

Der Branchenverband kritisiert insbesondere die aktuelle Mautregelung. Kehler: „Es ist kaum vermittelbar, dass Bio-LNG-Lkw trotz nahezu emissionsfreiem Betrieb die gleiche Maut zahlen wie fossile Diesel-Fahrzeuge. Wer den klimafreundlichen Wandel im Schwerlastverkehr ernst meint, muss endlich faire Bedingungen schaffen.“ Eine gezielte Mautermäßigung oder -befreiung für emissionsarme Antriebe wäre ein effektives Instrument, um den Hochlauf zu beschleunigen. Hinzu kommt, dass steuerliche Erleichterungen für Biokraftstoffe wie bei batterieelektrischen Fahrzeugen bislang vollständig fehlen – ein zentraler Hemmschuh für Investitionsentscheidungen in der Logistikbranche.

Auch auf europäischer Ebene sieht der Verband dringenden Handlungsbedarf. Die Regulierung der CO₂-Flottengrenzwerte setzt einseitig auf batterie- und wasserstoffelektrische Antriebe. Der Beitrag von erneuerbaren gasförmigen Kraftstoffen wie Bio-LNG zur Emissionsminderung wird in den Vorgaben bisher nicht angemessen berücksichtigt. Eine technologieoffene Gestaltung wäre notwendig, um den tatsächlichen CO₂-Fußabdruck in der Fahrzeugbewertung abzubilden.

Zudem fordert der Verband, die Treibhausgasminderungsquote noch ambitionierter weiterzuentwickeln und eine klare politische Perspektive für Biokraftstoffe zu schaffen. „Wir reden hier nicht von synthetischen Kraftstoffen, deren Energiebilanz immer wieder diskutiert wird – wir reden von tausenden Tonnen real existierender Produkte deutscher Landwirte und einer klaren Wertschöpfung im ländlichen Raum”, so Kehler. Auch für die deutschen Produzenten würde daher eine noch ambitioniertere THG-Quote über 2030 hinaus, gekoppelt mit einem langfristigen moderaten Förderrahmen, Investitionen sichern und den Markthochlauf unterstützen.

„Wer Bio-LNG ignoriert, lässt eine funktionierende Klimaschutzlösung für den Transportsektor einfach links liegen. Dazu kommt: Das Bio-LNG fast ausnahmslos von deutschen Erzeugern im ländlichen Raum produziert wird – angesichts der ambitionierten Klimaziele und dem klaren Wunsch nach mehr Energieunabhängigkeit sollten wir diese Lösung für den Schwerlastverkehr nicht ignorieren“, warnt Kehler. „Die Branche hat geliefert – doch die Politik bleibt zu passiv. Wer es mit den Klimazielen und Resilienz im Schwerlastverkehr ernst meint, muss jetzt handeln.“

 

 

(Quelle: Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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