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Methanverordnung fordert Gasnetzbetreiber: Fahrzeuggestützte Lecksuche mit Windmessung bringt Entlastung

Betreiber von Gasinfrastrukturen kommen seit dem Inkrafttreten der Europäischen Methanverordnung an einer fahrzeuggestützten Rohrnetzüberprüfung kaum noch vorbei. Der LaserGasPatroller LGP 900 von Sewerin hat den Allgemeinen Eignungstest gemäß dem DVGW-Regelwerk erfolgreich bestanden.

von | 30.09.26

Mit dem LGP 900 gefahrene Strecke mit einem Leckverdacht. Bild: Sewerin

Die im August 2024 in Kraft getretene Europäische Methanverordnung (Verordnung EU 2024/1787) soll die Emissionen im Energiesektor senken. Für Versorger und andere Betreiber von Gasinfrastrukturen bedeutet die Verordnung hohen Aufwand und Kosten. Sie müssen ihre erdverlegten Leitungen deutlich häufiger überprüfen, die Gasaustritte quantifizieren, dokumentieren sowie einen jährlichen Bericht erstellen. Um das effizient zu bewältigen, sind fahrzeuggestützte Messsysteme unerlässlich.

„Off-track“-Prüfung als zusätzliche Option

In Deutschland wird die EU-Methanverordnung durch das Regelwerk vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. – Technisch-wissenschaftlicher Verein (DVGW) ausgelegt. Der Verein hat die neuen EU-Anforderungen im November 2025 in sein verbindliches Regelwerk integriert und beschrieben, welche Messtechnik erlaubt ist (Merkblattreihe G 465-1 ff.). Genehmigt ist erstmals der Einsatz fahrzeuggestützter Systeme zur Lecksuche mittels Konzentrations- und Windmessung der Atmosphäre. Das heißt, Anwender können nun „off-track“, also abseits der Leitungstrasse fahren und dabei Gasfahnen in der Umgebungsluft aufspüren – ein Vorteil insbesondere bei großen Prüfbezirken. Später folgt die genaue Lokalisation der Gasaustritte in der ausgewiesenen Verdachtsfläche mit Handgeräten.

Methandetektion mit Lasertechnik

Der LaserGasPatroller LGP 900 von Sewerin ist ein neues System für die Prüfung mittels Konzentrations- und Windmessung. Es nutzt für die Methanerkennung ein Messprinzip, das auf der Absorption von Laserlicht bestimmter Wellenlängen durch Methanmoleküle basiert. Während der Fahrt saugt das System kontinuierlich Umgebungsluft an und führt eine laseroptische Analyse durch. Methan wird selektiv mit einer Auflösung von 0,01 ppm (10 ppb) detektiert und als Gasindikation angezeigt. Die hohe Empfindlichkeit erlaubt den Nachweis selbst minimaler Emissionen.

Verdachtsflächen präzise berechnet

Im Fall eines Methannachweises kann der LGP 900 die Verdachtsfläche auf Gasaustritt genau definieren. Die Berechnung erfolgt durch den Einsatz des globalen Navigationssatellitensystems (GNSS) mit inertialer Messsensorik und Echtzeit-Korrektursignalen. So gelingt eine kontinuierliche Positionsbestimmung im Zentimeterbereich auch bei wechselnden Geländebedingungen. Gleichzeitig misst ein Anemometer in Echtzeit die Windrichtung und -geschwindigkeit, um die Gasverteilung bei der Berechnung der Verdachtsflächen korrekt zu berücksichtigen.

Dokumentation und Auswertung über verschiedene Gerätetypen hinweg

Die EU-Methanverordnung verlangt eine lückenlose Dokumentation der Gasrohrnetzüberprüfung. Um das zu gewährleisten, werden sämtliche Messdaten durch die neue Softwaregeneration SeCuRi® SAT 7 vollautomatisch verarbeitet, klassifiziert und für die Weiternutzung in übergeordneten Systemen aufbereitet. Das Programm importiert Leitungsdaten, Kartenmaterial, Adressinformationen sowie Betriebsmitteldaten und verknüpft sie mit den Messergebnissen. So entsteht ein umfassendes digitales Bild des untersuchten Netzabschnitts, bei dem sich jede Methankonzentration eindeutig einer Fläche und einem atmosphärischen Zustand zuweisen lässt. Gasindikationen werden automatisch erkannt, klassifiziert und Emissionsobjekte werden erzeugt. Das Reparaturmanagement des Emissionsmoduls unterstützt bei der Einhaltung der Fristen. Berichte können in gängige Formate exportiert werden – zum Beispiel für den LDAR-Bericht (Leak Detection and Repair) und den OGMP-Bericht (Oil & Gas Methane Partnership) nach EU-Methanverordnung. Das System ist auch kompatibel mit den digitalen Tools DVGW-Metra und GaWaS (Gas- und Wasser-Statistik) des DVGW. So ist der gesamte Prozess von der Datenerhebung bis zur Berichtserstellung digital abgebildet und rechtssicher dokumentiert. Dem Datenschutz ist ebenfalls Genüge getan, denn alle Informationen verbleiben beim Netzbetreiber.

Eignungstest zur Sicherheit

In Deutschland verlangt das Regelwerk des DVGW vor der Zulassung fahrzeuggestützter Systeme zur oberirdischen Überprüfung erdverlegter Gasleitungen einen Allgemeinen Eignungstest. Die Anforderungen und Prüfkriterien für Systeme mittels Konzentrations- und Windmessung sind im Merkblatt G 465-4-4 definiert. Zuständig für die Entwicklung und erstmalige Durchführung des Allgemeinen Eignungstests war die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut (Karlsruhe) in Zusammenarbeit mit Open Grid Europe (OGE).

Das Forschungsvorhaben zu Methoden der Fahrzeuggestützten Methanmessungen sollte klären, ob und wie die fahrzeuggetragenen Messtechnologien in der Lage sind, die Leckdetektion und eine Quantifizierung der Methanemissionen zuverlässig vorzunehmen. Zunächst bewertete das Forschungsteam theoretisch die verschiedenen Messsysteme im Rahmen eines Technologiescreenings und mithilfe von experimentellen Untersuchungen. Auch die Erfahrungen von Netzbetreibern, die die Systeme bereits eingesetzt haben, wurden berücksichtigt. Die Ergebnisse dienten zur Evaluation der Anforderungen und Prüfungen im Eignungstest.

Auf die Probe gestellt

Im Sommer 2025 absolvierten insgesamt neun fahrzeuggestützte Systeme verschiedener Hersteller über mehrere Tage Messfahrten auf einem Testfeld. Sechs dieser Systeme detektierten mittels Konzentrations- und Windmessung. Auf der Strecke galt es vier Gasaustritte mit verschiedenen Volumenströmen zu entdecken. Im Frühjahr 2026 folgte speziell für die fahrzeuggestützten Systeme mittels Konzentrations- und Windmessung ein Praxistest im Stadtgebiet von Regensburg. Dort hatten die Prüflinge im realen Verkehr und erneut bei unterschiedlichen atmosphärischen Bedingungen acht Gasaustritte aufzuspüren.

Um den Allgemeinen Eignungstest zu bestehen, mussten jeweils mindestens 90 Prozent der Gasfreisetzungen detektiert und die Verdachtsflächen korrekt ausgewiesen werden. Während die Herausforderungen auf dem Testfeld von allen Teilnehmern gemeistert wurden, konnten im Praxistest nur vier Systeme ihre Tauglichkeit nachweisen.

Beitrag zur Netzintegrität

Der Allgemeine Eignungstest der DVGW-Forschungsstelle hat gezeigt, dass die innovative Technologie der fahrzeuggestützten Rohrnetzüberprüfung mittels Konzentrations- und Windmessung einen wirkungsvollen Beitrag zur Sicherstellung der Netzintegrität leisten kann. Der LaserGasPatroller LGP 900 von Sewerin erzielte laut Abschlussbericht vom Juli 2026 ein sehr gutes Ergebnis.

 

 

(Quelle: Sewerin/2026)

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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