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Nachruf zum Tod von Dipl.-Ing. Theodor Heike

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Autor: Redaktion

Nachruf zum Tod von Dipl.-Ing. Theodor Heike

Nachdem er die letzten Kriegsmonate als Ingenieurskadett der Kriegsmarine überstanden hatte, begann er eine Lehre zum Installateur bei den Stadtwerken Nienburg/Weser. Anschließend studierte er an der damaligen TH Karlsruhe. Nach seinem Diplom und zwei Jahren Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am damaligen Gasinstitut wurde er zum 1. Januar 1956 zum Leiter des Außendienstes benannt, den er 36 Jahre bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1992 leitete. In diesem Zeitraum hat er die technologischen Entwicklungen im Gasfach aktiv mitgestaltet und begleitet. Lagen die Schwerpunkte seiner Arbeiten zunächst in der Erzeugung und Reinigung von Gas aus Kohle und Mineralölprodukten (Stadtgas, Spaltgas, Kokereigas), hat er später an der Nutzung von Biomasse durch thermochemische Vergasung mitgearbeitet und bereits in den 1980er Jahren ein Verfahren zur Entschwefelung von Biogas mit Hilfe von eisenhaltigen Wasserwerksrückständen entwickelt. Weiterhin gehörten gasfachliche Themen wie die Gasspeicherung in Nieder- und Hochdruckbehältern, die Spitzenlastdeckung durch Flüssiggas/Luft-Zumischung und die Umstellung von Stadt- auf Erdgas zu seinem Aufgabenspektrum. Am Ende seiner beruflichen Karriere beschäftigte sich Theodor Heike auch mit der Sanierung von ehemaligen Gaswerksstandorten. Diese Arbeiten, die seine Nachfolger bis in die 2000er Jahre fortgeführt haben, waren ein Aushängeschild und Alleinstellungsmerkmal des Außendienstes.
Die beindruckende Bandbreite seines Wirkens am Engler-Bunte-Institut spiegelt seine wissenschaftliche Neugier und Vielseitigkeit wider. Für Theodor Heike war sein Beruf eine Berufung; er entwickelte eine Passion für das Gasfach, die bis ins hohe Alter anhielt und ihn immer wieder zurück an seine alte Wirkungsstätte und zu gasfachlichen Veranstaltungen führte, bei denen seine Beiträge und Kommentare gerne aufgenommen wurden.
Neben seiner Tätigkeit am Institut unterstützte Theodor Heike auch maßgeblich die Vereinsaktivitäten des DVGW auf Landes- und Bundes- sowie auf internationaler Ebene. Dabei waren seine Fachkenntnisse, sein umfangreiches Wissen und sein großes Engagement sowie seine Akribie Garant für erfolgreiche Gremienarbeit. Im DVGW war Theodor Heike Mitglied in vielen Arbeitskreisen und Fachausschüssen – so u.a. in den Fachausschüssen "Gaserzeugung", "Hochdruck-Gasspeicherung", "Flüssig-Erdgas-Anlagen" und "Gasfachliches Ausbildungswesen". Einige dieser Gremien hat er über Jahre hindurch als Obmann geleitet und an der Erstellung wichtiger DVGW-Arbeitsblätter, z. B. G 260 und G 262, entscheidend mitgewirkt. Bereits 1972 wurde ihm in Anerkennung an seine Verdienste um die DVGW-Richtlinien für Spaltanlagen und für Flüssiggas/Luft-Mischanlagen der DVGW-Ehrenring verliehen. Der DVGW-Landesgruppe Baden-Württemberg gehörte er lange Zeit als stellvertretender Vorsitzender an. In der IGU war er mehr als ein Jahrzehnt Sekretär im Ausschuss „Production of manufactured Gases“.
Ein wichtiges Steckenpferd waren seine Aktivitäten rund um die Zeitschrift GWF Gas/Erdgas. Ab 1968 war er für ca. 40 Jahre im Schriftleitergremium und im Beirat tätig. Lange bevor in der Zeitschrift über ein Peer-Review-Verfahren diskutiert wurde, hat er unzählige Artikel fachlich und sprachlich geprüft und den Autoren Hinweise für den letzten Schliff ihrer Beiträge gegeben. Weiterhin hat er bis ins hohe Alter Buchrezensionen verfasst und die von ihm eingeführte "GWF-Literaturdokumentation Gas" betreut, die allen im Gasfach Tätigen einen schnellen und leicht zugänglichen Überblick über die aktuelle Literatur gewährte. Theodor Heike erreichte dies durch seinen unermüdlichen Fleiß und Ehrgeiz bei der Auswahl relevanter Titel und deren Einordnung in die unterschiedlichen Kategorien. Diese Form der Vorauswahl ermöglichte den Nutzern einen sehr effizienten Umgang mit der Literatur – ein Luxus, der bei der heutigen Informationsflut wünschenswert wäre, aber ohne Theodor Heike nicht realisierbar ist. Diese Form der Literaturdokumentation fand ihren Höhepunkt im Jahr 2007, als Theodor Heike eine Sonderausgabe zum hundertjährigen Bestehen des Engler-Bunte-Instituts koordinierte, die sämtliche Veröffentlichungen der Institutsgeschichte beinhaltete.
Bis zuletzt war Theodor Heike dem Gasfach eng verbunden. Das Gasfach verliert mit Theodor Heike eine prägende Persönlichkeit, einen Vordenker und einen herausragenden Fachmann. Wir werden Herrn Theodor Heike ein ehrendes Andenken bewahren.

Frank Graf, Siegfried Bajohr, Thomas Kolb
Engler-Bunte-Institut mit der DVGW-Forschungsstelle am EBI