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Thüga setzt auf den Einsatz klimaneutraler Gasnetze bei der Wärmewende

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Autor: Elisabeth Terplan

Thüga setzt auf den Einsatz klimaneutraler Gasnetze bei der Wärmewende

Am 28. November hat der Nationale Wasserstoffrat Lösungsoffenheit und belastbare Daten als Erfolgsfaktoren für die Wärmewende in Deutschland benannt. Dies geht aus einer bei Fraunhofer beauftragten Studie zur Dekarbonisierung des Wärmesektors hervor. Darin wird Wasserstoff als ein Mittel der Wahl bei der Beheizung von Gebäuden aufgeführt. Thüga befürwortet den technologieoffenen Ansatz und erläutert die Bedeutung klimaneutraler Gasnetze für die Wärmewende in einem Positionspapier.

Laut Fraunhofer-Studie werde je nach lokaler Ausgangssituation ein Technologiemix aus Wasserstoff, Wärmepumpen und Fernwärmenetzen für eine effiziente und sozialverträgliche Dekarbonisierung des Wärmesektors notwendig sein. Neben grünem Strom werde Wasserstoff ein wesentlicher Baustein zur Erreichung der mittel- und langfristigen Klimaziele sein – nicht nur im Gebäudesektor, sondern auch bei der zuverlässigen Wasserstoffversorgung des deutschen Mittelstands. „Kommunen und Stadtwerke werden im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung einen wichtigen Beitrag zur Energie- und Klimawende leisten“, sagt Michael Riechel, Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft. „Der Einsatz von Wasserstoff darf dabei nicht auf einzelne Sektoren beschränkt bleiben. Als Umsetzungspartner vor Ort möchten wir Synergien zwischen den Sektoren nutzen und unseren Kunden – Nah- und Fernwärme, Einzelgebäude, Gewerbe und Industrie vor Ort – die Möglichkeit eröffnen, deutlich CO2 einzusparen. Wasserstoff im Gasverteilnetz wird dabei eine zentrale Rolle spielen.“

Wasserstoff im Gasnetz

Der Wasserstoffbedarf seitens der Industrie und der Kraftwerke vor Ort werde ohne Umstellung der Gasverteilnetze auf Wasserstoff nur schwer zu decken sein, so die Fraunhofer-Forschenden. Auch für die Beheizung von Einzelgebäuden mit Wasserstoff sei daher die Umnutzung von Gasverteilnetzen zu berücksichtigen. „Wir haben – Stichwort H2-ready – mit der bestehenden Gasinfrastruktur sehr gute Voraussetzungen, um auch Gebäude und Wohnungen mit Wasserstoff zu versorgen und zu heizen. Pilotprojekte vor Ort in den Kommunen laufen bereits. Bei Thüga gehen außerdem vermehrt Anfragen von Elektrolyseur-Betreibern bezüglich der Einspeisung von Wasserstoff in unsere Gasverteilnetze ein“, so Riechel. „Umso wichtiger ist es, an diesem Punkt nicht nachzulassen und Vorschlägen der Europäischen Kommission zum Unbundling von Gas- und Wasserstoffnetzen entgegenzuwirken. Mit dem Gasnetzgebietstransformationsplan von H2vorOrt haben wir nun zudem eine belastbare Planungsgrundlage für die Weiterentwicklung unserer Netze hin zu klimaneutralen Gasen in der Praxis.”

Praxis und Politik im Dialog

Aus ihrer Zusammenarbeit mit rund 100 Partnerunternehmen, Energie- und Wasserversorgern in ganz Deutschland, sind Thüga unterschiedliche lokale Gegebenheiten und Herausforderungen bei der Energie- und Klimawende vertraut. Der Stadtwerkeverbund vereint Gasnetze von rund 90.000 km Länge – deutschlandweit erstrecken sich die Gasverteilnetze auf circa 550.000 km „In der Thüga-Gruppe ist unser Ziel, die Gasversorgung mit klimaneutralen Gasen praxisnah und zukunftsfähig auszurichten. Was wir brauchen, ist Planungs- und Investitionssicherheit“, sagt Markus Wörz, Leiter Energiepolitik Deutschland bei Thüga. „Um Belange von Stadtwerken und Kommunen zu verdeutlichen, stehen wir im Dialog mit der EU- und Bundespolitik. Unser aktuelles Positionspapier ‚Zukunft klimaneutrale Gasnetze‘ fasst zusammen, wie die Transformation der Gasinfrastruktur unter Berücksichtigung des Bedarfs und der Expertise vor Ort erreicht werden kann.“

Eine Zukunft, viele Technologien

Die Thüga legt ihrer Position ebenfalls Technologieoffenheit auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung zugrunde. „Die zukünftige Versorgungsstruktur muss Klimaziele, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit gleichermaßen berücksichtigen. Sie vereint mehrere Energieinfrastrukturen und Medien, Elektronen und Moleküle“, sagt Dr. Christian Friebe von der Stabsstelle Energiepolitik. „Damit ist sie nicht nur resilienter gegenüber einer rein elektrischen Energieversorgung, sondern auch volkswirtschaftlich günstiger.“ An Praxisbeispielen zeigt das aktuelle Positionspapier, wie ein technologieoffener Ansatz bei der Wärmewende in angemessener Zeit zum Ziel führt. Verdeutlicht werden die drastischen Auswirkungen, die eine vollständige Elektrifizierung der Wärmeversorgung für den Stromnetzausbau, das Stadtbild und das tägliche Leben der Bürger:innen in verschiedenen deutschen Städten hätte. Außerdem zeigen die Beispiele welche finanziellen und personellen Ressourcen aufgebracht werden müssten, um die dafür erforderlichen Baumaßnahmen zu realisieren. Eine Umsetzung bis 2045 ist hier schwer vorstellbar. Ein technologieoffener Ansatz mit Gasen hätte klare Vorteile gegenüber der reinen Elektrifizierung.

Schneller und ambitionierter H2-Hochlauf

„Sich nur noch mit der regulatorischen Abwicklung der Gasnetze zu beschäftigen, wie das andere tun, greift gerade unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten viel zu kurz und bildet die Herausforderungen, vor denen wir bei der Wärmewende stehen, nicht annähernd ab. Diese müssen möglichst bald im von der Bundesregierung angekündigten Dialog mit der Branche diskutiert werden. Wichtiger Baustein in diesem komplexen Feld ist der Einsatz klimaneutraler Gase. Darunter verstehen wir sowohl die Einspeisung von Biomethan in die Gasnetze als auch deren Umstellung auf Wasserstoff“, sagt Patrick Kunkel, Leiter Regulierung bei Thüga. „Unerlässlich ist dazu ein Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland.“ Um diesen zu gewährleisten, enthält das Positionspapier Vorschläge für eine schrittweise ansteigende Treibhausgasminderungsquote für Wärme und die Einspeisung von Biomethan ins Gasnetz. Darüber hinaus plädiert Thüga dafür, flexible Anpassungsstrategien für bestehende Netze zu eröffnen, Übergangsregelungen bei der Umstellung der Netze auf klimaneutrale Gase einzusetzen und eine gemeinsame Regulierung für Gas- und Wasserstoffnetze als infrastruktureller Einheit einzuführen. Außerdem sollte die Politik für die kommunale Wärmeplanung bundesweit einheitliche Leitplanken setzen sowie europaweit eine einheitliche und einfache Definition von grünem Wasserstoff entwickelt werden.

Das Thüga-Positionspapier „Zukunft klimaneutrale Gasnetze“ steht auf der Thüga-Website als Download zur Verfügung.

(Quelle: Thüga/29.11.2022)