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EU-Kommission nimmt drei geplante EWE-Speichervorhaben auf die PCI-Liste

Die Europäische Kommission hat drei geplante Wasserstoffspeichervorhaben von EWE – an den Standorten Huntorf (Wesermarsch), Jemgum (Ostfriesland) und Rüdersdorf bei Berlin – in die europäische Liste der Projects of Common Interest (PCI) aufgenommen.

von | 01.12.25

Pionierarbeit in Rüdersdorf: Mit dem Projekt HyCAVmobil hat EWE die sichere und effiziente Wasserstoffspeicherung unter realen Bedingungen erprobt – ein entscheidender Wissensvorsprung für den geplanten Ausbau großtechnischer Speicher (© EWE/Nadine Auras)

Die formale Entscheidung wurde bei den PCI-Days in Brüssel verkündet. Mit der Aufnahme würdigt die EU die hohe energiewirtschaftliche Bedeutung dieser Speicherstandorte für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und industrielle Transformation. Für EWE ist der PCI-Status ein strategisches Signal und ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg in eine integrierte europäische Wasserstoffinfrastruktur. Eine Investitionsentscheidung ist damit jedoch ausdrücklich nicht verbunden.

Klare Vorteile für Planung, Tempo und Umsetzung

Die Aufnahme in die PCI-Liste bringt für EWE nicht nur politische Sichtbarkeit, sondern auch praktische Vorteile. PCI-Projekte profitieren von beschleunigten Genehmigungs- und Planungsverfahren, einer eng abgestimmten europäischen Koordination und von möglichen Förderoptionen über das Programm Connecting Europe Facility (CEF). Für die Speicherstandorte in Huntorf, Jemgum und Rüdersdorf bedeutet das: Die nächsten Projektschritte können effizienter und mit höherer Planungssicherheit erfolgen. Das ist ein Pluspunkt in der frühen Projektphase, in der es auf Machbarkeit, Tempo und Investitionssicherheit ankommt.

Relevanz für Regionen und Industrie

Die Speicherstandorte liegen in Regionen, die künftig eine zentrale Rolle für die Wasserstoffwirtschaft spielen sollen. Die Kavernen in Huntorf und Jemgum gehören heute bereits zu den größten Energiespeicherstandorten in Deutschland. Rüdersdorf ist durch seine Nähe zu Berlin ein wichtiger Baustein für die Versorgung wachsender urban-industrieller Cluster. Mit der Umrüstung zu großtechnischen Wasserstoffspeichern ließe sich zukünftig grüner Wasserstoff bedarfsgerecht zwischenspeichern, Lastspitzen glätten und die Belieferung industrieller Abnehmer absichern – unabhängig davon, wie volatil Erzeugung und Netzzustand sind. Genau diese Kombination aus Systemdienlichkeit und Standortstärke hat die EU-Kommission überzeugt.

Alle drei Standorte befinden sich weiterhin in einem frühen Projektstadium. EWE bereitet die Vorhaben jedoch so weit vor, dass zentrale, langfristige Planungsschritte frühzeitig angestoßen werden können, auch wenn die aktuellen Rahmenbedingungen noch keine Investitionsentscheidungen zulassen. Gleichzeitig bestätigt der PCI-Status die strategische Bedeutung, die Speicher langfristig für die europäische Infrastruktur haben.

Rahmenbedingungen müssen den Hochlauf ermöglichen

Trotz der Anerkennung aus Brüssel mahnt EWE-Chef Dohler dringenden Handlungsbedarf an. Für einen echten Speicherhochlauf brauche es jetzt klare politische Entscheidungen. „Für einen erfolgreichen Speicherhochlauf brauchen wir drei Dinge: einen verlässlichen Förder- und Finanzierungsrahmen, der Investitionen ermöglicht, die klare Anerkennung von Speichern als zentrale Flexibilitätsquelle, ohne doppelte Netzentgeltbelastung, und technische Infrastruktur-Standards, die pragmatisch genug sind, um den Markthochlauf nicht abzuwürgen“, so Dohler.

Der Appell ist eindeutig: Ohne Speicher droht der Wasserstoffhochlauf ins Stocken zu geraten. Die EU-Kommission setzt mit der PCI-Nominierung ein starkes Signal, doch die entscheidenden Weichen werden auf nationaler Ebene gestellt.

Baustein im Gesamtsystem: Clean Hydrogen Coastline

Die Speicher sind Teil des EWE-Programms „Clean Hydrogen Coastline“, das Erzeugung, Speicherung und Transport in Nordwestdeutschland vernetzt. Dazu gehören unter anderem eine 320-Megawatt-Wasserstofferzeugungsanlage, die EWE gerade in Emden (Ostfriesland) baut. Auch eine erste großtechnische Wasserstoffkaverne gehört dazu, die EWE aktuell am Gasspeicherstandort in Huntorf für die Wasserstoffspeicherung umrüstet. Zudem entsteht eine Pipeline-Infrastruktur als Teil des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes für den Transport von Wasserstoff, die Erzeugungsanlagen, Speicher und Verbraucher verbinden wird. Dieser systemische Ansatz, der Erzeugung, Netze und Speicher synchron plant, wird auch durch Studien wie das aktuelle Fraunhofer-Whitepaper empfohlen.

Zahlen, Daten, Fakten zu den geplanten EWE-Speichervorhaben

  • Standorte: Huntorf (Wesermarsch), Jemgum (Ostfriesland), Rüdersdorf bei Berlin
  • Technologie: Planung zur Umrüstung bestehender Kavernen für die Wasserstoffspeicherung
  • Rolle: Versorgungssicherheit für Industrie, Netzstabilisierung, Systemflexibilität
  • Projektstatus: frühe Entwicklungsphase, keine Investitionsentscheidung
  • Teil des EWE-Programms www.clean-hydrogen-coastline.de
  • PCI-Vorteile: beschleunigte Verfahren, EU-Koordination, Förderoptionen über CEF
  • Bedeutung: regional relevante Industrieimpulse und Beitrag zur europäischen Wasserstoffinfrastruktur

 

 

(Quelle: EWE/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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