Der Wasserstoff-Markthochlauf stagniert: Aktuell sind 181 MW Elektrolysekapazität in Betrieb, weitere 1.271 MW haben eine finale Investitionsentscheidung (FID) oder sind bereits im Bau. Diese fortgeschrittenen Projekte könnten bis 2027 in Betrieb gehen und etwa 4,3 TWh grünen Wasserstoff bereitstellen. Importpipelines für Wasserstoff sind ab 2027 angekündigt, mit deutlichem Anstieg der Kapazität ab dem Jahr 2030. Allerdings sind alle Projekte in einem frühen Planungsstadium ohne FID. Im „Wasserstoffmonitor Q2/2026“ erfasst und analysiert ein Team des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) an der Universität zu Köln im Auftrag des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) den aktuellen Stand des Wasserstoffmarkthochlaufs anhand der heimischen Erzeugungskapazität für erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstoff, der Wasserstoffimportkapazität sowie der Wasserstoffverbrauchsprojekte in der energieintensiven Industrie zum Stichtag 31.03.2026.
Die Auswertung der EWI-Elektrolysedatenbank zeigt, dass nur ein kleiner Teil der bis zum Jahr 2030 geplanten Elektrolyseprojekte bisher eine finale Investitionsentscheidung (FID) erreicht hat. Zusätzlich zu den Projekten in Betrieb und mit FID sind bis zum Jahr 2030 über 7,2 GWel Elektrolysekapazität in Planung, für die noch keine FID kommuniziert wurde. Weiterhin gibt es zwei angekündigte Projekte für die Produktion von blauem Wasserstoff mit Dampfreformierung von Erdgas und CO2-Abscheidung und -Speicherung, beide bisher ohne FID.
„Im Vergleich mit den Erhebungen aus den letzten Jahren zeigt sich, dass die Kapazität der Projekte in Betrieb und mit FID zuletzt stagniert. Gleichzeitig ist die Kapazität der angekündigten Projekte ohne FID seit 2024 zurückgegangen,“ sagt Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas, Head of Research Area am EWI, die die Analyse gemeinsam mit Carina Schmidt, Michaele Diehl und Lennart Kehl durchgeführt hat.
Deutlicher Anstieg geplanter Pipelineimporte ab 2030 sichtbar
Die EWI-Importdatenbank erfasst geplante Wasserstoffimportprojekte. Die Auswertung zeigt, dass aktuell 22 pipelinegebundene Importprojekte mit einer Gesamtkapazität von ca. 65 GWh/hth angekündigt sind. Nach aktuellem Stand sollen elf dieser Projekte bis 2030 in Betrieb genommen werden, was etwa der Hälfte der pipelinegebundenen Importkapazität entspricht. Die größten geplanten Importkapazitäten sind an den Grenzübergängen zu Dänemark und Niederlande verortet. Neben den grenzüberschreitende Wasserstoff-Pipelines werden als auch Ammoniak-Terminals und -Cracker und SNG-Terminals in der Datenbank erfasst. Grünes Ammoniak kann importiert und direkt genutzt werden oder in einem Cracker zu grünem Wasserstoff verarbeitet werden. In Deutschland sind derzeit zwei Ammoniak-Terminals in Betrieb, die jedoch bisher fossiles Ammoniak importieren. Weitere vier Ammoniak-Terminals an der Nord- und Ostseeküste sind angekündigt, diese Projekte haben jedoch bisher keine FID kommuniziert.
In der EWI-Industriedatenbank werden über 70 Projekte der energieintensiven Industrie erfasst, die die Nutzung von klimafreundlichem (grünem oder blauem) Wasserstoff planen oder bereits durchführen. Es wurden 13 Projekte erfasst, die aktuell bereits klimafreundlichen Wasserstoff in der Produktion nutzen. Dabei handelt es sich größtenteils Forschungs- und Pilotprojekte. Gleichzeitig befindet sich über die Hälfte der erfassten Projekte noch in einem frühen Planungsstadium und weisen keine FID auf. Die Auswertung nach Industriebranchen zeigt, dass die Projekte auf die Branchen Metallerzeugung und -bearbeitung, chemische Industrie sowie Kokerei und Mineralölverarbeitung entfallen. Bekannte Beispiele umfassen Standorte der Primärstahlerzeugung wie das Projekt SALCOS der Salzgitter AG, oder tkH2Steel von Thyssenkrupp in Duisburg. Viele der erfassten Projekte planen einen werkseigenen Elektrolyseur zur Belieferung mit grünem Wasserstoff, sodass der Start der Nutzung von grünem Wasserstoff an die Inbetriebnahme des Elektrolyseurs geknüpft ist.
Durch Elektrolyseprojekte sind 4,3 TWh Wasserstoff pro Jahr gesichert
Die erfassten Kapazitäten ermöglichen eine Abschätzung der zukünftigen Produktions- und Importmengen von grünem Wasserstoff: Die Produktionsmenge durch in Betrieb befindliche Elektrolyse könnte je nach Auslastung ca. 0,5 TWh pro Jahr betragen. Wenn alle inländischen Erzeugungsprojekte mit aktueller FID oder in Bau bis 2030 in Betrieb gehen, könnte die jährliche Produktionsmenge in Deutschland im Jahr 2030 etwa 4,3 TWh betragen. Selbst wenn alle angekündigten Elektrolyseprojekte bis zum Jahr 2030 in Betrieb gehen würden, würde die jährliche inländische Wasserstoffproduktion unter 30 TWh verbleiben.
„Die Nationale Wasserstoffstrategie hatte für 2030 einen Bedarf an grünem Wasserstoff von 95 bis 130 TWh prognostiziert. Der Großteil dieser Menge müsste demnach über Importe gedeckt werden, die hingegen ebenso von der Umsetzung der geplanten Projekte abhängen, sowie von der Umsetzung ausländischer Elektrolyseprojekte,“ sagt Klaas.







