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CO2-reduzierte Zementproduktion: Versuchsanlage für getemperte Tone startet Betrieb

Die neue Versuchsanlage für getemperte Tone im Zementwerk Rohrdorf ist Anfang Juli erfolgreich in Betrieb gegangen.

von | 09.07.25

Die Anlage vom Wärmetauscher-Turm aus betrachtet. Links im Bild: Der Drehrohrofen, dessen Abwärme für den Betrieb der Anlage genutzt wird. Quelle: Rohrdorfer

In der Anlage wird Rohton durch thermische Behandlung aktiviert („getempert“). Ziel der Anlage ist die Erforschung von getemperten Tonen, da diese als CO₂-ärmere Alternative zu Klinker, dem Hauptbestandteil von Zement, genutzt werden können. Somit sind sie ein zentraler Baustein im Rohrdorfer Dekarbonisierungsfahrplan. Die Versuchsanlage entstand im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Europäischen Union geförderten Pilotprojekts und erhält wegen seines Innovationspotenzials eine Förderung von bis zu 8,65 Mio. Euro. Projektstart war im Oktober 2023. Die Laufzeit endet im Dezember 2026.

Energie- und emissionsarmer Betrieb dank neuartigem Anlagenkonzept

Die Versuchsanlage nutzt die vorhandene Abwärme aus der Klinker-Produktionslinie und wurde daher direkt neben dem Drehrohrofen errichtet. Durch die Ofenabwärmenutzung und den Einsatz des eigens konstruierten Flash-Kalzinators ist es möglich, die Tone mit sehr wenig Primärenergie zu tempern. Die beim Betrieb entstehenden Abgase werden nach Verlassen der Anlage der bestehenden Abgasreinigung der Klinker-Produktionslinie zugeführt. Es entstehen damit keine zusätzlichen Emissionen.

Geplant und gebaut wurde die Anlage vom französischen Anlagenbauer Fives FCB, in Zusammenarbeit mit dem Rohrdorfer Net Zero Emission-Team. Die Bauphase dauerte rund sechs Monate. Das maximale Produktionsvolumen sind 50 t getemperter Ton pro Tag.

Anspruchsvolle Verfahrenstechnik

Bis Ende 2026 untersucht das Net Zero Emission-Team die ideale Zusammensetzung der Rohtone und optimiert die Prozesse für die thermische Behandlung. Außerdem werden verschiedene Mahlfeinheiten und der Einsatz unterschiedlicher Zuschlagstoffe getestet. Im Ergebnis soll der getemperte Ton als CO₂-sparender Ersatz für Klinker dienen und dabei alle Normen für die Zementproduktion erfüllen. „Mit der systematischen Erforschung der Technologie der getemperten Tone im Produktionsprozess des Rohrdorfer Werks leisten wir Pionierarbeit in der Zementindustrie“, sagt Markus Judendorfer vom Net Zero Emission-Team. „Eine besondere Herausforderung ist, das Produkt zu optimieren und zeitgleich die Energieeffizienz der Anlage weiter zu verbessern. Unsere ersten Ergebnisse der Anfangsphase sind sehr zufriedenstellend.“

CO₂-Vermeidung durch weniger Klinker im Zement

Derzeit sind Versuche mit verschiedenen Rohtonen und Prozessparametern bis Mitte 2026 geplant. Auf diesen Versuchen aufbauend, soll in Zukunft eine Großanlage errichtet werden, die eine signifikante CO₂-Einsparung ermöglicht. „Das Potenzial zur CO₂-Einsparung beläuft sich auf insgesamt 60 %. Davon kann fast die Hälfte dank getemperter Tone vermieden werden. Die neue Versuchsanlage ist deshalb ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur CO₂-neutralen Zementproduktion, die wir für 2038 anvisieren“, erklärt Dr. Christopher Ehrenberg, technischer Leiter der Rohrdorfer Zementsparte.

 

(Quelle: Rohrdorfer/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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