Der aktuelle Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) erlaubt Gasheizungen langfristig als Heiztechnologie bei Einhaltung der sogenannten Biotreppe, also mit steigendem biogenem Anteil bei neu eingebauten Gasheizungen. Bleibt das europäische Angebotspotenzial für Biomethan konstant, könnte die Nachfrage das Angebot übersteigen. Dann könnten sich ab dem Jahr 2040 Knappheitspreise bilden – vor allem, wenn bis dahin beim Einbau neuer Heizungen vermehrt auf Gasheizungen statt auf Wärmepumpen gesetzt wird.
Dabei ist es nicht ausreichend, auf Angebot und Nachfrage in Deutschland zu schauen. Da Biomethan physisch in das europaweite Erdgasnetz eingespeist und bilanziell über Zertifikate gehandelt wird, ist der Markt vorwiegend europäisch. Vor diesem Hintergrund hat ein Team des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) in der Publikation „Biomethan im deutschen Gebäudesektor“ die potenziellen Preisentwicklungen in Abhängigkeit der deutschen Nachfrage und des europäischen Angebotspotenzials bis zum Jahr 2045 analysiert. Die Publikation wurde von der Förderinitiative Wärmewende der Gesellschaft zur Förderung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln e.V. gefördert.
Biomethannachfrage im Gebäudesektor könnte auf bis zu 200 TWh steigen
Aktuell wird Biomethan nur vereinzelt im Gebäudesektor verwendet. Die künftige Verwendung hängt maßgeblich von den Installationsraten neuer Gasheizungen sowie den Bioquoten – also der Biotreppe für Neuinstallationen und der Beimischquote für Bestandsheizungen – ab. Das EWI untersucht hierzu vier Nachfrageszenarien für den deutschen Gebäudesektor. Bei Fortschreibung aktueller Installationsraten von Gasheizungen und einem Anstieg der Bio-quoten auf 100 Prozent im Jahr 2045 würde die Nachfrage auf knapp 200 TWh steigen. Bei einem vermehrten Wärmepumpeneinbau und Fortschreibung aktuell diskutierter Bioquoten könnte die Nachfrage auf knapp 40 TWh steigen. Im Jahr 2023 lag der gesamte Biogas- und Biomethanbedarf in Europa bei ca. 215 TWh.
Auf der Angebotsseite steht dieser Dynamik ein begrenztes europäisches Potenzial gegenüber, das in der EWI-Analyse mit zwei Szenarien abgebildet wird. Ausgehend von einem heutigen europäischen Angebotspotenzial von 510 TWh (nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA) wird das „Szenario Konstant“ definiert. Das „Szenario Wachsend“ entspricht dem IEA-Szenario aus dem „Outlook for Biogas and Biomethane“ mit einem Wachstum um 40 Prozent auf rund 714 TWh bis zum Jahr 2050.
In Knappheitssituationen könnten sich die Endverbraucherpreise vervielfachen
„Wenn das europäische Biomethan-Potenzial auf heutigem Niveau stagniert, würde der Preisdruck ab 2040 signifikant steigen“, sagt Dr. Philipp Theile, der die Analyse gemeinsam mit Tobias Leibfritz und Michael Moritz erstellt hat. Ab dem Jahr 2040 würde dies in allen betrachteten Nachfrageszenarien zu Knappheitspreisen führen, d. h. das Angebot könnte geringer sein als die Nachfrage. In der Folge könnten sich die Endverbraucherpreise für Gas bis zum Jahr 2040 je nach Elastizität der Nachfrage vervielfachen. Dies könnte den Heizungstausch auch vor Ende der Lebensdauer wirtschaftlich attraktiv machen und bestehende Anlagen aus dem Markt drängen. Bei einem Potenzialwachstum des Angebots würde sich der Nachfragedruck entspannen und Knappheitspreise könnten vermieden werden.







