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DVGW Kongress 2025

Unter dem Motto: Fahrt aufnehmen! trifft sich die Gas- und Wasserwirtschaft am 24.-25 September in Bonn auf dem DVGW Kongress. Im Blick sind dort nicht nur grüne Gase wie Wasserstoff oder Biomethan, sondern auch die Herstellung von blauem Wasserstoff inklusive einer Kohlenstoffkreislaufwirtschaft sowie eine Energiewende mit Augenmaß.

von | 18.09.25

Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW Foto: DVGW

Wasserstoff zuverlässig ab 2030 in großen Mengen benötigt

„Der Weg, sich perspektivisch von fossilen Energieträgern zu verabschieden und hierzulande die Infrastruktur auf erneuerbare Energien auszurichten, muss weiter stetig beschritten werden“, fordert Linke mit Blick auf das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität der Bundesregierung. Allerdings sei auch klar, dass es keinen Ausstieg und überstürzten Rückzug aus der Versorgung mit Erdgas geben kann, solange nicht signifikante Wasserstoffmengen zur Verfügung stehen. Zunächst muss laut Linke erst einmal der Umstieg von Kohle auf Erdgas gelingen. Dazu benötigt werden die passenden Kraftwerke für eine höhere Sicherheit in der Stromversorgung. Diese sollten jedoch mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit bereits H2-ready sein. „Wir brauchen den Wasserstoff nicht im kommenden Jahr, aber zuverlässig in den 2030er Jahren und dann in großen Mengen“, macht Linke deutlich.

Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft werden jetzt unbedingt eine H2-Importstrategie, wirtschaftliche Signale für Investoren und eine Grüngasquote benötigt, so Linke. Die Politik müsse diese Perspektive eröffnen, etwa indem zunächst ein entsprechender Zeitplan als Handlungsleitfaden angelegt wird. Die Branche selbst habe viele Elemente einer H2-Wirtschaft auf den Weg gebracht, was sich heute als richtig erweise. Dazu zählt der DVGW-Chef die Initiative H2vorOrt mit der Aufstellung der Gasnetzgebietstransformationspläne (GTP), das angepasste DVGW-Regelwerk, vollumfängliche Studien und „Führungswissen” zum Thema Wasserstoff. Jetzt gelte es für Deutschland, dieses Tempo zu erhalten und die Vorarbeit gewinnbringend im Sinne des Klimaschutzes zu nutzen.

CO2-Infrastruktur im überragenden öffentlichen Interesse

Beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) begrüßt man auch, dass die schwarz-rote Bundesregierung die CO2-Infrastruktur mit dem zukünftigen CO2-Speicher- und Transportgesetz politisch höherstufen und ins überragende öffentliche Interesse stellen will. Laut dem DVGW-Vorstandsvorsitzenden stellt Carbon Capture eine Lösung in der Zementfabrik, bei der Abfallverbrennung oder anderorts dar, wo unvermeidbare CO2-Emissionen anfallen. Zudem biete die Technologie die Option, kohlenstoffarmen Wasserstoff herzustellen, der in anderen Industriebetrieben zur Emissionsminderung oder in neuen H2-ready-Gaskraftwerken genutzt werden könne.

Bis zum Jahr 2040 müssen in Deutschland nach Angaben des DVGW jährlich rund 35 Mio. t schwer vermeidbarer CO₂-Emissionen aus der Industrie und Abfallwirtschaft transportiert und dauerhaft gespeichert werden. Hinzu kommt der grenzüberschreitende CO₂-Transit: Ab 2035 rechnen Experten mit zusätzlichen 15 bis 20 Mio. t CO₂ jährlich, die aus Österreich, der Schweiz und Frankreich über Deutschland in nordeuropäische Speicherregionen transportiert werden müssen. Damit übernimmt Deutschland laut Linke eine zentrale Rolle im entstehenden europäischen CO₂-Transportnetz. Der DVGW hat ein Technisches Regelwerk für den Transport von CO2 entwickelt und wirkt im Europäischen Komitee für Normung (CEN) bei einer Harmonisierung von Regeln und Normen mit.

Allerdings gilt die Entsorgung von CO2-Emissionen nur als zweitbeste Lösung mit Blick auf den Klimaschutz. Dies sieht man auch beim DVGW so: „Bei aller Bedeutung der Thematik sollte die Vermeidung von Emissionen im Energiesektor – etwa durch den direkten Einsatz von Wasserstoff – immer Vorrang gegenüber einer Entsorgung haben“, stellt der DVGW-Chef klar.

Moleküle rücken in den Blick

Auf dem DVGW Kongress stehen am 24. und 25. September in Bonn am ersten Tag neben der politischen Rahmensetzung die Moleküle im Vordergrund. Unter anderem diskutieren Susan Wilms vom IKEM – Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität und Frank Gröschl, Leiter Technologie und Innovationsmanagement beim DVGW die Rolle von EE-Gasen, Bio-Methan, Biogas & Wasserstoff für die Energiewende in allen Sektoren. Nachdem danach Dr. David Bothe, Director bei Frontier Economics, der Frage nachgeht, wo die Moleküle dafür herkommen, geben Sarah Endres von EEW Energy from Waste und Dr. Martin Volmer von Rheinkalk einen Überblick über die Wertschöpfungskette Carbon Management. Eruiert werden infrastrukturelle Lösungen, Geschäftsmodelle sowie politische Ziele.

Die beiden Veranstaltungstage im World Conference Center Bonn lockern mehrmals täglich sogenannte Breakout-Sessions auf. Dort diskutieren Experten vertieft in 75-Minuten-Slots Spezial-Themen wie „Wasserstoff und Industrie“, „H2-Beschaffenheit – Reinheit und Qualitäten“, „kommunale Wärmeplanung“ oder „Derivate in der Anwendung“.

 

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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