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gat 2019 fokussiert die Energiewende

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Autor: Redaktion

gat 2019 fokussiert die Energiewende

Die 2020 Ziele würden in Deutschland verfehlt, und die 2030 Ziele seien alleine über das Klimapaket auch nicht zu erreichen. Unter anderem sprach er sich für einen CO2-Preis von 50 €/t aus. Prof. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, und Ulf Heitmüller, BDEW-Vizepräsident und Vorstandsvorsitzender der VNG AG, griffen diese Punkte auf und beschrieben mögliche Lösungsansätze. Besonderes Potenzial hätten Gas, grüne Gase und Wasserstoff, um zu einer Begrenzung des Temperaturanstiegs beizutragen. Besonders erfreulich sei, dass Wasserstoff in der letzten Zeit eine deutlich stärkere Wahrnehmung erfahren habe. Er könne mittelfristig als „blauer Wasserstoff“ und langfristig als „grüner Wasserstoff“ in der Mobilität und im Wärmemarkt eingesetzt werden. Es komme jetzt darauf an, die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine Produktion im großen Maßstab und eine Einspeisung ins bestehende Gasnetz zu schaffen, hieß es in Köln.
„Kongress-Splitter“
Nach der Eröffnung boten zahlreiche Einzelveranstaltungen vertiefte Informationen zu aktuellen Entwicklungen. Die Palette war in diesem Jahr noch etwas breiter als sonst üblich. Neben den Kongressblöcken gab es Fachforen, Werkstattgespräche und Dialogforen. Die Besucher hatten damit die Gelegenheit, sich ein ganz individuelles, auf ihre Interessen zugeschnittenes Programm zusammenzustellen. Im Folgenden einige „Kongress-Splitter“: Stefan Rolle, Referatsleiter im BMWi, wies darauf hin, dass bei der Energiewende immer auch das Machbare zu berücksichtigen sei. Nicht alles, was möglich sei, lasse sich umsetzen. Es müssten immer auch Versorgungssicherheit, Wirtschaft am Standort Deutschland sowie Wohlstand und sozialer Frieden berücksichtigt werden. Gleichzeitig unterstrich er, dass Gas ein wichtiger Teil auf dem Weg ins Erneuerbare Energien Zeitalter ist. Ein Weg, der nach Einschätzung von Dr. Thomas Zengerly, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutsche Shell Holding GmbH, jedoch weiter ist, als viele glauben würden. Er geht von einem global stark wachsenden Energiebedarf aus, der neben Gas, Biogas und Wasserstoff auch weiterhin fossile Energieträger benötigt.
Zum Thema „Innovationen für die Energiewende vor Ort“ berichtete Thomas Zänger, Geschäftsführer der Stadtwerke Dessau, über eine ältere KWK-Anlage, die mit Hilfe einer neuen Gasturbine und eines Wärmespeichers für neue Anforderungen fit gemacht wurde. Profitiert habe er dabei von einem rückläufigen Bedarf. Mit Blick auf die gesamte Bundesrepublik lautete sein Fazit: Ohne sinkende Grundlast wird ein Kohleausstieg viel zu teuer, wenn Gas als Energieträger im gleichen Umfang zum Einsatz kommt.
LNG-Exporte: plus 100 Prozent
Interessant war auch eine Einschätzung, wie sich die LNG-Nachfrage entwickeln wird. Dr. Arndt Heilmann von der Gasunie Deutschland Transport GmbH erwartet, dass die weltweiten LNG-Exportkapazitäten bis 2040 um mehr als 100 % steigen werden. Von den Förderländern Katar und Australien soll der Energieträger nach Asien, aber auch nach Europa transportiert werden. Im Falle Europas vor allem, um eine rückläufige Gas-Eigenproduktion auszugleichen. Derzeit würden 17 % des europäischen Gasbedarfs über LNG gedeckt – Tendenz steigend. Für Deutschland heißt das, die seit über 30 Jahren existierenden Pläne für den Bau eines LNG-Terminals müssen endlich vorankommen. Im Falle des Standortes Brunsbüttel gebe es das konkrete Vorhaben einer Anschlussleitung, ohne jedoch Sicherheit zu haben, ob und wann das Terminal realisiert werde.
 PtX-Kapazität von 40 GW
Dr. Thomas Hüwener, Mitglied der Geschäftsführung der Open Grid Europe GmbH, hob hervor, dass derzeit mehrere sogenannte Real-Labore – also kleinere P2X-Anlagen – mit einer Kapazität von insgesamt rund 30 MW in Betrieb seien. Diese reichten aber bei weitem nicht aus, um der Energiewende wichtige Impulse zu verleihen. Ziel sei es, bis 2050 eine Produktionskapazität von 40 GW aufzubauen, was in etwa 40 Mrd. € kosten dürfte. Ein Weg, der nur mit entsprechender Förderung möglich ist. Denn aktuell würden die Gestehungskosten für eine kWh grünes Gas noch rund dreimal so hoch sein wie für eine kWh Importgas. Preisvorteile könnten jedoch durch technische Innovationen und Skalen-Effekte bei zunehmender Anlagengröße und -dichte entstehen. Am nötigen „Geld“ sollte es nicht scheitern, war zu erfahren. Investoren stünden bereit; sie bräuchten aber verlässliche Rahmenbedingungen.
Wie in jedem Jahr wurde die gat auch in diesem Jahr wieder durch eine begleitende Fachmesse komplettiert. Rund 150 Aussteller haben in Köln neueste Produkte und Dienstleistungen präsentiert.

(Quelle: DVGW/ Gerd Lengsdorf)