Wegen der negativen Strompreise und des anhaltenden Überangebots senkten Wind- und Solarproduzenten aus ökonomischen Gründen ihre Erzeugung. Das geht aus einer neuen Analyse des Analyseunternehmens Montel EnAppSys hervor.
Die kommerzielle bzw. marktbasiert motivierte Abregelung erneuerbarer Erzeugung erreichte 2025 nahezu 1,75 TWh (1.749,7 GWh). Dies ist der höchste jemals gemessene Wert. Gegenüber 2024 (1,40 TWh) entspricht dies einem Anstieg von fast 25 %. Damit wurden sogar die Werte aus der Covid-Pandemie übertroffen, als erstmals deutlich wurde, welche strukturellen Risiken ein Überangebot bei gleichzeitig niedriger Nachfrage mit sich bringt.
Negative Preise treiben freiwillige Abschaltungen
Der starke Anstieg der Abregelungen fällt mit Rekordwerten negativer Preise an den europäischen Day-Ahead-Strommärkten zusammen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet schneller voran, als sich die Nachfrage nach der Energiekrise erholt.
Bei der kommerziellen Abregelung handelt es sich um die freiwillige Entscheidung von Produzenten erneuerbarer Energien, in Zeiten negativer Preise nicht zu produzieren – im Gegensatz zu den zwangsweisen Abschaltungen durch Netzbetreiber. In solchen Fällen bieten die Erzeuger ihren Strom nicht um jeden Preis an, sondern geben nur Gebote ab, die über null Euro liegen. Sie schalten ihre Anlagen ab, wenn die Preise unter dieses Niveau fallen.
Die Verschärfung der Förderbedingungen hat zu einem deutlichen Anstieg dieses Verhaltens geführt. In zahlreichen Märkten verlieren erneuerbare Anlagen ihren Förderanspruch schon nach nur einer Stunde mit negativen Preisen. Dies führt dazu, dass es für die Akteure sehr verlockend ist, aus ökonomischen Erwägungen heraus eine Reduktion der Produktion vorzunehmen, anstatt Verluste hinzunehmen.
Abregelungen beschränken sich inzwischen nicht mehr nur auf Phasen stark negativer Preise. Die Analyse von Montel zeigt, dass das nicht abgeglichene Angebotsvolumen im Preisbereich zwischen 0 und 15 €/MWh deutlich gestiegen ist. Das Volumen, das unterhalb von 5 EUR/MWh nicht zum Zuge kommt, ist inzwischen mehr als doppelt so hoch wie das Volumen, das bei Preisen unter null Euro abgeregelt wird.
Solarausbau als zentraler Treiber
Ein wesentlicher Treiber der Abregelungen in Deutschland ist der rasante Ausbau der Solarenergie. Die jährlichen Photovoltaik-Installationen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen und führen inzwischen zu ausgeprägten Erzeugungsspitzen zur Mittagszeit, die sich von April bis September erstrecken und nicht mehr nur auf die Sommermonate beschränkt sind.
Bei sonnigen Bedingungen kann die Solarstromerzeugung sehr schnell ansteigen, während die Nachfrage vergleichsweise niedrig bleibt – insbesondere an Wochenenden und in den Übergangsjahreszeiten. Dieses Ungleichgewicht drückt die Preise regelmäßig in den negativen Bereich und setzt direkte wirtschaftliche Anreize für eine Abschaltung der Anlagen.
Die Struktur des deutschen Kraftwerksparks verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Zwar ist die Kohleverstromung rückläufig, doch Teile des verbleibenden thermischen Kraftwerksparks sind kurzfristig nur begrenzt flexibel. Bleiben diese Anlagen bei hoher erneuerbarer Erzeugung am Netz, verringern sie den verfügbaren Marktraum für Wind- und Solarstrom und verschärfen Preisverfälle.
Gleichlaufende Wetterlagen in Deutschland und den Nachbarländern verstärken die Abregelungen zusätzlich. Sonnige oder windreiche Bedingungen treten häufig zeitgleich in großen Regionen auf, sodass auch die angrenzenden Märkte gleichzeitig Überschüsse aufweisen. In solchen Situationen können Exporte die überschüssige Erzeugung nicht vollständig aufnehmen – negative Preise bleiben dann der zentrale Ausgleichsmechanismus.
Ausblick
Die Analyse von Montel zeigt, dass das Rekordniveau freiwilliger Abschaltungen erneuerbarer Energien in Deutschland im Jahr 2025 Ausdruck einer grundlegenden strukturellen Herausforderung der Energiewende ist.







